Streit der Pflichten gegen einander verursacht in zartenGcmüthern nicht selten den schmerzlichsten Kampf. — Aber einstilles Nachdenken über diesen wichtigen Gegenstand führt unsbald zur Beruhigung, und die Ueberzcugung zerstört den Zweifel.
Was haben wir im Streite von Pflichten zu thun,die einander widersprechen, und wo wir die eine nichtausüben können, ohne die andere zu vernachlässigen?
Die einfache und kurze Beantwortung dieser wichtigen Fragewird manchem zartfühlenden, christlichen Gemüth, das schon inähnlichen Verlegenheiten kämpfte, von großem Werthe sein. Dennsie klärt uns über die Rangordnung unserer Verpflichtungen auf,und lehrt uns, vor den Eingebungen unserer beredsamen Eigen-liebe auf der Hut zu sein!
Die Antwort aber liegt in den Worten Zcsu: Liebe Gottüber Alles, und dann erst deinen Nächsten wie dich selbst.(Matth. 22, 37-40.)
Höher also, als Mcnschensatzungen, sind Gottes Gebote.Kein Sterblicher, keine Obrigkeit, kein Monarch darf etwas an-ordncn und befehlen, das den Geboten Gottes widerspräche. Undwagte es ein Tyrann, die göttliche Ordnung Umstürzen zu wollen,wagte es ein Sterblicher, dich zu einem Verbrechen gegen Gottzwingen zu wollen, dann ist die Wahl nicht mehr schwer; dusollst Gott mehr gehorchen, als den Menschen!
Das heilige Leben der Christen in den ersten Jahrhundertengibt uns zahllose Beispiele von der Treue der Christen zu Gott.Sic opferten Freunde und Verwandte, Eigenthum, Aemter, Rcich-,thum, Ehre, Vaterland — ja selbst das Leben auf, wenn einTyrann sie zwingen wollte, Jesum zu verläugncn, oder eine an-dere Religion anzunehmen. — Man soll Gott mehr gehorchen,als den Menschen, darum verlor manche tugendhafte Jungfraulieber ihr Leben, als ihre Unschuld durch den Machtsprnch eines