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Eni Anderer spracht: Ich will meinem Feinde verzeihen; ichweiß, er spricht übel von mir, er sucht mich überall zu verdrän-gen und zu verkleinern; er würde mir schaden, wo er nur könnte.
Ich will ihm verzeihen; aber Niemand verlange, daß ich michmit Liebkosungen zu ihm dränge, daß ich mich für den Menschenaufopfere, der nur hohnlachen würde, wenn er sähe, wie ich zuGrunde ginge. — Wohl denn, du sollst und magst allerdings mitKlugheit dich gegen deinen Feind betragen; aber berechtiget dichdieses, in heimliche Verwünschungen gegen ihn auszubrechen?Berechtiget dich dieses zur Schadenfreude, wenn ihm etwas Un-angenehmes widerfährt, daß du sprichst: Er hat's um mich ver-dient? Berechtiget es dich, nichts zu thun, wenn cs bei dirstände, ihm, auch ohne daß er jemals cs erfährt, Nutzen undVorthcil zu stiften? — O verbirg dich, schwacher Mensch, undbrüste dich nicht mit deiner Religion, mit deinem Glauben, mitdeinen Gebeten, mit deinen Hoffnungen auf das Verdienst unddie Gerechtigkeit Jesu — du bist sein Nachfolger nicht, du bistkein Christ, und hast keinen Theil an ihm!
Am meisten pflegen aber die Menschen sich.gern selbst zutäuschen, wenn sie die Ausübung einer Pflicht vernachlässigen,unter dem Vorwände, daß sic auch andere Pflichten auf sichhätten. Sie machen mit diesen Worten gleichsam eine Tugendzur Mörderin der andern, und bringen im Grunde nur ihrerEigenliebe, ihrer Selbstsucht, ein gefälliges Opfer. Sie*gleichen den Pharisäern, die, um den Sabbath, den Tag Gottes,recht zu feiern, zu Ehren Gottes die Unglücklichen lieber leidenlassen wollten, als ihnen helfen, und durch Arbeit den Sabbathentweihen. (Matth. 12, 1 —12.)
Doch aber kann es auch dem frömmsten und tugendhaftestenChristen begegnen, daß er bei Ausübung einer Pflicht Gefahrläuft, eine andere zu verletzen, die ihm eben so heilig ist. Dieser -