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3 (1853)
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als er ist. Einer betrügt durch diesen Schein den Andern. Wirwissen nicht, was die Menschen sind, sondern nur was siescheinen. Wir beugen uns vor dem Jrrthum, statt vor derWahrheit. Wir bemerken nur die zufälligen Nebendinge, stattder Hauptsache dahinter. Wir stehen vor übertünchten Gräbern,aber sehen nicht darunter die Verwesung und den Moder.

Je richtiger ein Mensch andere Menschen und die Dinge umsich her würdigt, und je weniger er sich vom Schein und derguten oder schlechten Außenseite blenden läßt, je weiser ist derMensch.

Die Grundregel der Weisheit also ist! Trenne den Scheinvom Wesen! nimm die Dinge für das, was sie wirklichfind; nicht für das, was sie scheinen.

Diese Regel begreift den Inhalt aller Weisheit in sich. Wersie überall erfüllen kann, der ist der Weiseste. Schon in zarterJugend sollen wir sie unfern Kindern geben; so werden sie unauf-hörlich nach Weisheit ringen; werden nicht den Traum für Wachenhalten, das wahre Glück nicht außer sich in andern Dingen,sondern in dem Werth ihres Herzens suchen, und das süße Giftder Laster Gift nennen, so süß es auch immer sei.

Diese Regel begleite jeden Menschen von einem Tage zumandern über, wenn er Anspruch darauf macht, ein Weiser zuwerden. Nur damit entweicht er tausend Gefahren, Leiden undSorgen des Lebens; denn was uns hicniedcn unglücklich macht,ist immerdar Jrrthum. Nur weil wir die Erscheinungen desLebens unrichtig ansehcn, uns keine Mühe geben, sie richtig zuerkennen, behandeln und empfangen wir sie falsch. Daraus ent-steht unsere Qual. Wir fürchten also den Schatten mehr, alsdie Sache; wir ängstigen Uns mehr vor dem Traum, als vorder Wahrheit. Wir leiden mehr über den Verlust des eingebil-deten, als des wahren und ewigen Gutes.