Druckschrift 
3 (1853)
Seite
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zu gleichgültig, bei nichtswürdigen Handlungen zu unbefangen,für das Edle und Gute einer Unternehmung zu unbegeistert undträge ist, dünke fich darum nicht weise, sondern er durchdringcmit seinem Verstände erst die Abscheulichkeiten des Verbrechens,und denke sich selbst in die Lage der dadurch Unglücklichwerden-den ; er überzeuge sich von dem Segen einer edcln Unternehmungin allen ihren mannigfaltigen Folgen; er belebe seine Einbildungs-kraft mit den Vorstellungen der fremden Noth und Freude. DieTrägheit seines Gemüthes ist nichts weniger als Kraft, sondernSchwäche, durch welche eins oder das andere seiner Seelen-vermögcn zu einer nachtheiligen Unthätigkeit geräth.

Wie gefühlvoll, o mein Jesus, Bild erhabener Menschen-freundlichkeit, warst Du bei Anderer Schmerzen, über welcheDu die eigenen so gern vergaßest; wie entflammt gegen dieSchändlichkeit alles Bösen, was die Herzen der Menschen vonihrem Glücke und ihrem Gott trennt; wie willig warst Du, dieFreuden Deiner Brüder zu mehren, zu erheben, zu läutern undzu veredeln! O sei mein Vorbild in Allem! Ich will mich meinesHerzens, meiner Empfindungen, meiner Aufwallungen, nichtschämen; sie find so menschlich! Und mehr als Mensch zu sein,ist nicht des Menschen Pflicht.

Aber lehre Du mich, Gottes Sohn, mäßig sein in Allem,in Schmerz und Vergnügen, damit ich Dir ähnlich werde undgottgefällig. Nein, Gott gab uns nicht selbst die das Lebenverannchmlichendcn Gefühle, daß wir sic wieder in uns tödtenund ausrotten, sondern daß wir sic zu Schwingen der Andachtund Tugend, zu Waffen derselben gegen die das Leben verheeren-den Laster machen sollen. Amen.