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wer gelassen zusehen kann, wie man einen Schuldlosen verdammt,einen offenbaren Bösewicht schmeichelt und begünstigt, vielleichtweil er reich oder von guter Herkunft ist; wer gleichgültig beifremder Noth, oder bei Gefahren des Vaterlandes, oder bei ver-brecherischen Anschlägen sein kann: verdient er wohl den Namendes Tugendhaften? Ist er selbst wohl großer Edelthaten fähig?Könnte der sich für irgend eine heilige Sache aufopfern? Ver-mögen, Ehre und Leben dafür hingcben?
So tadle und verdamme denn Niemand die Aufwallungeneines edeln Zorns und Unwillens; so mache sich denn NiemandVorwürfe, wenn er seinen Abscheu gegen Ungerechtigkeiten lautwerden ließ. Zst es die Tugend selbst, welche die Flamme desGemüths entzündet, so lodert sie rein.
Löblich ist die Freude. Seid fröhlich mit den Fröhlichen undmit den Weinenden weinet! ruft uns das göttliche Wort selberzu. (Röm. 12, 15.) Wer nicht innigen Anthcil am Glück derFrohsinnigcn nehmen kann, der ist auch wohl selten aufgelegt,sich Unglücklichen mit gänzlicher Hingebung zu weihen. WelcheSünde ist ein Spiel, welches das Herz vergnügt? Wo ist dasWohlgefallen am Schönen verdammt, cs entwickele sich in Be-trachtung der Natur, oder der Künstwcrke, in den Bewegungendes Tanzes, oder in den Klängen der Musik? Wer will dasdurch Witz und Scherz belebte Gastmahl, wer die höhcrn Stim-mungen zur Freude durch den mäßigen Genuß des Weins ver-dammen ? Es ist Scheinheiligkcit, frömmelnde Ziererei oder über-triebene Gewissenhaftigkeit, sich davon auszuschlicßcn, und denals ein Weltkind zu verschreien, welcher daran Theil zu nehmennicht verschmäht. Auch Jesus Christus, mein Heiland, meinErlöser, fehlte bei vergnügenden Gastmählern nicht. Er selberschuf den Wein zu Kana, um die freudige Stimmung der An-wesenden zu erhöhen. Er wollte nicht, daß der Mensch finster,