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3 (1853)
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Kräften stumpfer geworden? Ist denn Jüngling und Mädchen,oder Mann und Weib in den besten Lebensjahren zu tadeln, weilhier mehr Fülle der Kraft und mächtigere Begierde ist?-

Der Gegenstand ist wichtig genug, daß ich darüber nachdenke.Es ist für meine eigene Ruhe erforderlich, daß ich mir deutlicheVorstellungen verschaffe über Sündlichkeit oder Unsündlichkeit ge-wisser Aufloderungen des Gefühls; ob ich, um fromm und gott-gefällig zu sein, alles Regewerden meiner Sinnlichkeit unter-drücken müsse.

Schon die Vernunft Jagt mir, daß dies nicht sein solle undkönne. Aber doch behaupten cs die strengen Eiferer und Sitten-lehrer. Oft wird es mir sogar von Kanzeln gepredigt, meinFleisch sammt den Lüsten und Begierden zu kreuzigen, abzutödtenin solchem Maße, daß ich allen Freuden dieses Lebens entsagenmüßte.

Blicke ich hingegen auf den Göttlichen, der ihr Lehrer undauch der mcinige ist, auf Jcsum Christum, den heiligsten undunschuldigsten der Menschen: so überzeuge ich mich vom Gegen-theil; auch er war keineswegs von den lebhaftesten Bewegungendes Gcmüthes frei. Schrecken, Zorn, Furcht, Angst, Fröhlich-keit, Lust an sinnlichen Ergötzungen, waren ihm gar nicht fremd,und er unterdrückte diese unwillkürlichen Neigungen nicht.

Es wird erzählt, wie er in heftigen Unwillen gcrieth, da erim Tempel von Jerusalem die Wechsler sitzen sah, und die,welche Ochsen, Schafe, Tauben zu Opferungen feil hatten. Ermachte eine Geißel aus Stricken, trieb fle alle hinaus, undverschüttete den Wechslern das Geld, und stieß die Tische um,indem er sagte: Machet nicht meines Vaters Haus zum Kauf-hause! (Joh. 2, 14 16.) Diese Stelle aus, dem Leben Jesuhat mich oft ernst beschäftigt. Sind die Aufwallungen des Zornsan sich eine Sünde vor Gott, wie hätte sic Jesns in sich dulden