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3 (1853)
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Ist denn aber ebne starke Gemüthsdewegung Sünde? Willdenn Gott, daß wir uns selber in einem solchen Grade abstcrben,daß wir gegen Schmerz und Fröhlichkeit, Lust und Unmuth un-empfindlich werden? Bin ich verdammenSwürdig, wenn ich überdas, was schändlich ist, in Zorn und Mißmuth gcrathe? oderwenn ich an der Heiterkeit meiner Freunde Thcil nehme, mitihnen scherze und lache, zum Tanz und Schauspiel gehe, undVergnügen an geselligen Lustbarkeiten nehme? Ist eS GottesGebot, daß ich meine ganze Lebenszeit in ununterbrochener kalterGelassenheit bleibe, oder wohl gar in einem trüben, stets aufsich selbst zurückdenkenden Ernst zubringe?

O gewiß nicht. Hier ist ein Zrrthum! Es kann auch wohleine allzuweit getriebene Gewissenhaftigkeit geben, die mich mitVorwürfen bestürmt, wo ich sie doch nicht verdiene. Denn wärenmehr oder weniger lebhafte Gemüthsbewegungen Sünde: so hätteGott mir sic nicht selber gegeben. Die größere oder geringereReizbarkeit der Empfindungen hängt offenbar von der eigenenBeschaffenheit unsers Temperaments ab. Das Temperament aberist nicht unser eigenes Werk.

Wären sehr lebhafte Gemüthsbewegungen an sich tadelhaft:so müßte auch eine sehr lebhafte Einbildungskraft, ein allzutreucsGedächtniß sündlich sein. Denn das Gedächtniß, wie die Ein-bildungskraft, verleiten eben so leicht zu bösen Werken, als diegereizten Gefühle. Wie sollte ich mir alsdann erklären, daß Gottden einen Menschen schon von Natur besser, den andern schlechtergeboren werden ließ? Ich kenne Leute, die so trägen Gemiithcssind, daß sic immer kalten Blutes bleiben, und durch nichts leichtin Zorn gerathcn; weder ungemein fröhlich, noch ungemein trau-rig werden können. Ist denn das Greisenalter darum frommeroder löblicher, weil es weniger Hang zu sinnlichen Ergötzungenhat, für welche ihm die Neigung fehlt, weil es an Nerven und