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3 (1853)
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ITenn ein guter Mensch zuweilen beim Anblick der Ungerechtig-keit zum Zorn und Unwillen aufflammt, oder sich dem Ungestümder Freude bei fröhlichen Anlässen hingibt, oder von der Furchtgefoltert, die ein Mangel des Vertrauens auf göttliche Vor-sehung zu fein scheint, oder von andern dergleichen lebhaften Ge-fühlen überrascht wird: geschieht es nicht selten, daß Andere, dievielleicht von Natur weniger lebhaft und reizbar sind, ihn tadeln.Es geschieht nicht selten, daß eben solche an sich gute, aber all-zuängstliche Menschen sich deswegen selber mit Vorwürfen be-stürmen, sich vor Gott anklagcn, und die Aufwallungen ihresGemüths als eben so große Sünden bitterlich bereuen.

Ihrer Viele sind gewesen, die deshalb sich von der Welt zu-rückgezogen haben, um weniger zu Zorn und Freude, heftigemSchmerz oder Verdruß hingerissen zu werden. Sie gingen inEinsamkeiten, in klösterliche Zellen, oder führten in der Mittegroßer Städte ein abgeschiedenes Leben. Andere wieder, welchejene Aufwallnngen nicht weniger für sündlich hielten, traten rechtmit Absicht in das Gewühl des Lebens hinein, oder vermiedenwenigstens nicht die Gelegenheiten, durch welche ihre Gefühle auf-gestört werden könnten, um dann sie desto heldemnüthiger zu be-siegen, sich gegen Unmuth und Fröhlichkeit, gegen Furcht, Schreckenund Zorn zu stärken oder unempfindlich zu machen. Noch Anderehielten alle lebhaften Aufwallungen der Sinnlichkeit für natür-liche Verderbtheit des Menschen, und nach manchem vergeblichenKampfe dawider sich unfähig, jemals fromm und der göttlichenGnade würdig zu werden.

Warum rede ich von vergangenen Zeiten? Es ist noch heu-tiges Tages so. Es sind viele Christen, welche eben darein denhöchsten Triumph des Christenthums setzen, daß sie alle Lebhaf-tigkeit der Gefühle unterdrückt wissen wollen, und cs für strafbarhalten, von denselben überrascht zu werden.