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Vorzüge zu rühmen weiß, als rein geblieben zu sein von grobenVerbrechen! Darf der gefühllose Stein höhere Seligkeiten an-sprechcn, und der träge Knecht, welcher sein Pfund in die Erdevergrub, die Hoffnung fassen, einst über Mchreres gesetzt zuwerden, denn hieniedcn?
Wie arm stehst du da, Unglücklicher, im fürchterlichen Selbst-betrug! Denn du wähnst dich, wenn auch nicht mit Tugend ge-schmückt, doch rein von schweren Vergehen — stehe, deine tausendUnterlassungen des Guten sind deine tausend Sünden, welchedich zur Verantwortung rufen. Es schlägt einst die ernste Stunde,da du schaudern wirst vor deiner Gleichgültigkeit gegen zahllosesGute, was nun ungeschehen blieb. Denn Gleichgültigkeit gegeneine Tugend, die wir üben können, ist Gleichgültigkeit gegen dieEwigkeit, die uns richten wird — ist Gleichgültigkeit gegen denAllcrheiligsten. Jede Gelegenheit zum Guten, welche wir wahr-nehmen, ist gleichsam eine Einladung Gottes an unser Herz, esihm zu weihen; die Bitte unsers guten Engels, göttlicher zuwerden.
Und wie stehe ich da, o himmlischer Vater, vor Dir!Wehe, wenn meine Tage und Stunden mir vorgerechnet, undmir die Versäumungen guter Thaten vorgezählt werden, wiemag ich bestehen? Und so groß auch deine Gnade ist: welcheAnsprüche und Hoffnungen kann ich auf eine heitere Ewigkeit,auf ein vollendeteres Dasein haben, da ich sie — ach! nur zuoft verscherzte?
Ich erkenne vor Dir meine Schwäche, meine Schuld. Za,ich bin Sünder, größerer Sünder, als ich oft zu sein mir ein-bildete. Meine Unterlassungen sind meine Verbrechen, die michdrücken, und rechtfertigen kann ich sie nicht vor Dir.
Doch ich lebe noch! — Gott, barmherziger Gott, Deine Lang-muth hat mich Unwürdigen noch nicht verlassen. Ich lebe noch;