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Unterlassung des Guten
Jak. 17.
Wir fehlen Alle viel und sehr,
Du Vater aller Seelen!
Ach, aller unsrer Sünden Heer,
Wer kann »nd will sie zählen?
Wie oft vergessen wir, o Gott,
Dich und Dein väterlich Gebot,
Die Würde unsers Lebens!
Wer kennt sein Herz und schäme sich nichtVor Deinem Angesichte!
Wer scheut sich nicht vor Deinem Licht,
Bebt nicht vor dem Gerichte,
Das, Herr, Herr, Deine Heiligkeit,
Dein Ernst dem schlaffen Sünder dräut?Wer kann vor Dir bestehen?
Nicht Einer! — Dennoch schonest Du,Und willst nicht Tod, willst Leben;
Schaust »ns mit Vater-Langmuth zu,
Und willst so gern vergeben!
O Du, der schonen will und kann,
Wir beten Dich mit Thränen an,Vergebender Erbarmer!
Wenn wir vom Werthe der Menschen reden, von der Herzens-gute unserer nähern oder entferntem Bekannten, wie unsicher istda nicht oft der Maßstab, welchen wir wählen! — Ja, selbstüber unfern eigenen Werth haben wir nur zu oft die irrigstenBegriffe, indem wir uns mit Andern vergleichen, die etwa diesenoder jenen Fehltritt begingen, und wo in uns, wenn gleich nichtjener von Jesu mit Recht getadelte Pharisäerstolz, doch das Ge-fühl aufstcigt, in welchem wir sagen möchten: Ich danke Dir,Gott, daß ich nicht bin, wie dieser da!