Druckschrift 
3 (1853)
Seite
206
Einzelbild herunterladen
 

206

sich allgewaltig, weil sie Ihresgleichen, Menschen aus Staubgeschaffen, unterdrücken können? Fielen nicht die Gewaltigstenunter den Streichen ihrer Feinde, oder mit dem ärmsten Bewoh-ner der Erde ins gleiche Grab? Nur Einer ist groß undallgewaltig und mächtig, und sein Name ist Gott!

Warum erstaunet ihr über die Kunst des menschlichen Geistes?Was sind seine Werke, auch die köstlichsten? Er hängt Staubmit Staub zusammen, um sich Hütten zu bauen, Gewänder zuweben, oder von den Werken der Natur, dem äußern Scheinenach, Ebenbilder zu machen. Bauet nicht auch der thierische Geistsinnreich seine Wohnung, wie der Mensch, und oft zweckmäßiger,als er? Biene und Ameise müssen wir auch bewundern, undwie die Vögel des Himmels ihre Nester wählen und aufrichtcn,oder ihre Reisen machen von Wclttheil zn Weltthcil. Nein, nurEiner ist unendlich weise, unbegreiflich wunderbar in seinenWerken; er fügt nicht Staub zu Staube, wie das Thier oderder künstliche Mensch, sondern er durchdringt den Staub mitverborgenen Kräften und Seelen, daß Alles lebt: und dieserWunderbare ist Gott!

Was preiset ihr, das nicht sein Werk wäre? Was liebetihr, das Er nicht gebildet? Was entzückt euch hienieden, wel-ches nicht eine Wundergabe seiner Huld wäre? Was fürchtetihr, das nicht seinem Scepter untcrthänig wäre? Was hoffetihr, das nicht Er allein verleihen könnte?

Je länger wir Gott in seinen unermeßlichen Schöpfungen be-trachten, oder im Wechsel des Lichts und der Finsterniß unsererSchicksale: je tiefere Ehrfurcht empfindet unser ganzes Wesen vordem Großen, dem Unnennbar-Erhabenen, dem Heiligen. Wirrufen betend und anbetend wie Paulus:O, welch eine Tiefedes Reichthums, beides, der Weisheit und Erkcnntniß Gottes!Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine