Druckschrift 
3 (1853)
Seite
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Nicht an Willen, nicht an Erkcnntniß, wohl aber am Muthefehlt cs dem Menschen, Christi Jünger, Gottes Freund zu sein.

Man fürchtet oft die Macht der Leidenschaften,che man sich noch mit ihnen in einen Kampf einge-lassen hat, und beschönigt, entschuldigt mitSchcin-gründcn die eigene Schlechtigkeit, welche man abzu-werfen ohne Hcldenmuth ist.

Es ist vergebens, spricht der auf Jesu Namen zu seiner Nach-folge Eingeweihte, es ist vergebens, daß ich cS unternehme,eine Veränderung in meinen Gewohnheiten, in meiner ganzenDenkart zu versuchen. Ich bin nun einmal so; ich kann nichtanders, nicht besser werden. Wohl weiß ich es, daß ich vieleSchwächen habe, aber sie liegen mir gleichsam angeboren imGemüth. Es lebt unter der Sonne kein Heiliger mehr. VorGott ist Niemand rein. Jeder Mensch hat seine eigenen Fehler,und ich habe die meinigcn. Ich kenne Viele, die noch schlechtersind, als ich. Warum soll ich gleichsam meine ganze Naturtödtcn, um zu werden, was ich doch nicht werden kann und keinSterblicher hienieden, fehlerrcin und tugendvoll, wie Christuswar?

Ach, diese Sprache tiefer Verderbtheit, wer ist's, der sie nichtschon irgendwo gehört hätte? Wer ist's, der sie nicht vielleichtschon selbst einmal in Aufwallungen des Gemüths geführt hätte,wenn Pflicht und Neigung mit einander bei einem Anlaß inWiderspruch geriethcn? Es ist die Sprache des Muthlosen, dersich in seiner Elendigkcit gefällt, und selbst seine Schande zurEhre machen möchte.

Aber fremd war diese Sprache den edcln Freunden des Auf-erstandenen, da sie ihn wunderbar über Welt und Tod als Siegerehrten, da er, über den Schauern des Grabes emporschwebend,Wiedervereinigung vor Gott in der Ewigkeit zum Ziel ihrer