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Anderer in seinen Meinungen und religiösen Vorstellungen ge-kränkt sehen. Hat er nicht Moses und die Propheten, wie du?Hat er nicht Christus und die Apostel, wie du? So bekämpfedenn nicht, was in ihm ist, wenn cs nur gute Früchte bringt.Siehe, alle Religion im Menschen ist gleichsam die Blüthe sei-'nes Wesens. Zerreiße diese Blüthe nicht, denn du zerstörst dieFrucht zugleich. Deine eigene Blüthe kannst du in das Wesenkeines Andern bringen, wenn du dich nicht ganz selbst in denAndern verwandeln kannst. Ueberlaffe das Amt der Belehrungdenen, deren Beruf es ist, Lehrer zu sein. Glaube und schweige,und bewahre dein Heiligthum in der Brust.
Eben aus solchen unnützen Streitfragen über die Geheimnisseder Religion, über die Persönlichkeit Zesu Christi, über Dinge,von welchen ein Sterblicher am wenigsten zu erklären und zusagen im Stande ist, sind die meisten Trennungen in der christ-lichen Kirche, die meisten Sekten- und Schwärmerhaufen ent-standen. lieber das, was Jesus allem Volk gepredigt hat, überdie Lehren des Heils, durch welche wir Leben, Seligkeit undVerbindung mit Gott empfangen, hat man nie gestritten. Dieswar das Wichtigste und Wesentlichste; darum offenbarte er esuns lichtvoll, über jeden Zweifel erhaben. Was der Natur desmenschlichen Verstandes unergründlich bleiben mußte, darüberschwieg er oder röd:te nur in Bildern und Gleichnissen. Lasset unsdie weisen Absichten des göttlichen Menschenfreundes und Menschen-kenners ehren; nicht weiter schreiten, als er selbst wollte; nichtmehr behaupten, als er selbst zu enthüllen für gut fand. Glaubeund schweige, und bewahre dein Heiligthum in der Brust.
Die Religion Jesu unserö Herrn ist keine Religion des Kopfes,kein Gegenstand für scharfsinnige Grübler: würde er sie sonst denärmsten und niedrigsten Leuten im Volke gepredigt haben, diegar keine gelehrte Erziehung genossen hatten? — Sie ist und