Selig sind, die da glauben und nicht sehen! (Ioh. 20, 29.)Dies ist der schönste Wahlspruch des Christen am Osterfeste; csist das Wort des Messias, welches er zum besser belehrten Tho-mas sprach. Habe ich nicht genug Werke der Allmacht gesehen,um auch da an die Macht des Herrn zu glauben, wo ich sienicht sehe? Was Großes und Unglaubliches in diesen Zeitengeschehen ist: verbürgt es mir nicht die Wunder der Vorzeit?Was durch Gottes Huld und Weisheit herrlich ist hicniedcn:lehrt es mich nicht an die Herrlichkeit besserer Welten glauben,wiewohl ich sie noch nicht sehe?
Man hat sehr Unrecht, eigene Erfindungen und Erklärungenan die Stelle einer Geschichte zu setzen, welche man wegen ihrerUnbegreiflichkeit nicht gern zu glauben wagt; denn ist denn deineErklärung und Erfindung die wahre Geschichte?
Man hat sehr Unrecht, über dergleichen Gegenstände, welcheunserm Urteilsvermögen, sowohl durch die Eigentümlichkeitdes Inhalts, als durch die Entfernung des Zeitalters, alsoentrückt sind, daß wir nicht entscheidend über dieselben ab-zusprechen vermögen — man hat sehr Unrecht, sage ich, übersolche Gegenstände mit andern Personen, deren Meinungen vonden unsrigcn abweichen mögen, in Widerspruch und Wortwechselzu treten. Denn ungerechnet, daß durch solche eitle Strcitredenüber die Person Jesu Keiner sehr belehrt, erbaut und gebessertwird, pflegt damit nur gegenseitige Erbitterung geweckt und oftsogar verursacht zu werden, daß man von heiligen Dingen mitweniger Ehrfurcht denkt und redet, als man sollte.
Meide diese unnützen Gespräche, um nicht das Heilige zuentweihen. Laß dich nicht dazu durch einen voreiligen Bckehrungs-eifer verleiten. Denn so wenig du dir das Kleinod deines Glau-bens und deine Ueberzcugung durch fremden Glauben und fremdesteberzcugung willst rauben lassen: eben so wenig will sich ein