Druckschrift 
3 (1853)
Seite
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achcn oder hassen, die ihnen das Gegentheil von ihrem Jrrthumdarthrm wollen. Ihr Verstand, in allem Nebligen gut und ge-sund, ist oft nur in diesem einzigen Punkt zerrüttet. Sie heißenWahnsinnige, Verrückte. Sie aber halten sich für klug und über-zeugt von der Wahrheit ihres Glaubens, und fühlen sich dabei,oft ganz glücklich. Eben so fehlt cs nicht an Personen, die, wennsie andern Leuten eine wissentliche Lüge vielmals erzählt haben,und sie immer nach Jahr und Tag wiederhole», am Ende selberdarüber irre werden, und sich cinbildcn, oder vielmehr gewißglauben, was sic erzählen, sei wirklich so und nicht anders ge-schehen. Auch dies ist ein, wenn gleich nicht sehr auffallender,doch jedem andern ähnlicher Wahnsinn.

Eben so entsteht vielmals die religiöse Verstocktheit und Ab-gcstorbenhcit für das Gute und Wahre. Sie mag zuweilen nichts,als eine nach und nach ausgebildete Geistesvcrkrüppelung, eineVersunkenheit in falschen Vorstellungen und Verhärtung in den-selben sein. Dafür sprechen die Lebensgeschichtcn von eingefan-gcnen Landstreichern, Straßenräubern und Mördern, die vonfrühester Jugend auf durch schändliche Acltcrn in jeder Ruch-losigkeit cingcübt, und ohne religiösen Sinn erzogen wurden,oder von ihnen die verkehrtesten Religionsbcgriffe erhielten. DieseUnglücklichen waren nachher gegen alles Bessere so verhärtet undstumpf, daß ihnen die überzcugungSvollsten Lehren lächerlich oderwiderlich erschienen, daß sie lieber ohne Obdach und Sicherheitin beständigen Lebensgefahren umherschweifen, alles Ungemachtragen, als in ruhigen bürgerlichen Verhältnissen ehrlich lebenwollten. Sie konnten sich oft nicht enthalten, noch in den Ge-fängnissen zu stehlen und voraus zu sagen, sobald sie frei wären,würden sie die alte Lebensweise mit Freuden fortsetzen. Hier warneben aller übrigen thierischcn List und Klugheit wirkliche Gcistcs-verzerrtheit durch schlechte Grundsätze und Gewohnheiten.