133
hier ganz frohen Muthcs, nicht dort selig werden könne. Er-schreckt von den viele» Erfahrungen über die Folgen böser Ge-sinnungen und Gewohnheiten, gewarnt von seinen Uebcrzeugungcn,versucht er immer, und unterläßt er wieder das Bcsserwerdcn,und bindet sich selber die furchtbare Strafruthc größer.
Aber schrecklicher ist, daß Menschen leben, die allen Erfah-rungen der Welt, der Völker und des täglichen Lebens, allenLehren und Mahnungen der Weisesten unter den Sterbliche»,allen Warnungen ihres eigenen Gewissens Trotz bieten; nichtbesser sein wollen, als sie sind; sich gegen alle guten Rührungenund Eindrücke verhärten, und mit Starrsinn in ihrer Unsittlich-keit, in ihrer ReligionSvcrschmähung beharren. — Es ist einean das Unbegreifliche grenzende Verwilderung der menschlichenNatur; es ist eine ungeheure Ausartung des Verstandes; es isteine jede Kraft der Vernunft überwachsende Thicrhcit ihres irdischenWesens; ein Wahnsinn in Gestalt der LebcilSklughcit, der stolzdarin ist, von der einen Seite jedes Gelüst zu stillen, ohne des-wegen weltlicher Obrigkeit verantwortlich zu werden, und vonder andern Seite alle Weisheit für Albernheit oder gutmiithigeSchwärmerei, alle Tugend für lächerliche Einbildung, alle Reli-gion für bloße Priestcrerfindung zu halten, gut für den, demsie gefallen mag.
Personen dieser Art, gewöhnlich in der Meinung, sie seienklug genug für sich, pflegen in ihrem Herzen die eine Hälfte derWelt für Betrogene, die andere für Betrüger zu halten, sichselbst aber für Leute, welche cs am besten verstehen, und viel-leicht die Ersten sind, die das Wahre ergriffen haben. Wahrlich,es bedarf wohl keiner Widerlegung dieses Wahnsinns, und ebenso wenig bedarf cs eines Beweises, daß wohl zu allen Zeiteneinige solcher Verblendeten und Verthiertcn gelebt haben, umAndere und sich auf die gewissenloseste und rasendste Art, allen