Druckschrift 
3 (1853)
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

12Ü

Gaumens, seines Auges, seines nach Schmeicheleien lüsternenOhres, seines wollüstigen, geilen Wesens, das ihn beherrscht.Er hat nur Kenniniß sür das Irdische, um sich zu nähren, umbrauchbar zu sein, um Gold zu gewinnen. Er hat keine Tugend,ahnet nichts von der Möglichkeit einer Selbstüberwindung. Erhat nur eine gewandtere Klugheit, um sich durch List, Lauernund Ausharrcn in den Besitz der Dinge zu setzen, nach denen ergeizt. Alles Uebrige ist ihm gleichgültig. Er macht die Rcli-gionsgcbräuche mit, wie die Kleidcrmoden, um nicht anstößigzu werden; er hilft zu gemeinnützigen Dingen durch Beiträge,jhut alles Gute, wo cs ihm nicht schwer wird, um sich vor derWelt einen guten Namen zu machen. Je mehr er die Menschenüber seine wahre Denkungsart täuschen kann, je besser kann er>m Verborgenen seinen Raub verfolgen.

Warum sollte cs nun nicht möglich sein, daß ein solcher Mensch,dessen Trachten das Böse ist, und dessen Gutes nur eine Larve wird,hinter die er das Gefährliche seiner Gemüthsart versteckt,warum sollte es nicht möglich sein, daß auch ein solcher seinZiel, das er unablässig verfolgt, endlich erreicht? Warum nichtmöglich, daß er mit seiner geübten Schlauheit Hohe und Niederehintcrgcht, und ungerechte Schätze sammelt, mit denen er sichalle Wollüste des Lebens verschaffen kann? Warum nicht mög-lich, daß er sich den Ruf eines achtungswürdigcn Mannes ver-schafft, während die getäuschte Menge nicht ahnt, wie er im Ge-heimen ein Verführer und Mörder der Unschuld, ein Ehebrecher,ein Verleumder, ein schadenfroher Rachsüchtiger, ei» Betrügerder Armen, ein Verräthcr seiner Freunde ist? Warum sollte csnicht möglich sein, daß er endlich lcbenssatt auf dem Raube,welchen er durch seine Sünden glücklich zusammcnschleppte, denGeist aufgibt, so ruhig, wie der Tiger auf dem Aase, welcheser um seine Höhle her angehäuft? Er lebte als Thier, er starb