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3 (1853)
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du cs nicht lieber siein? Du fühlst es, man kann nicht zweiHerren diene», nicht dem Himmel und der Hölle zugleich: warumzitterst du, das bessere Theil zu wählen?

Die Frucht der Gleißnerei ist ein freudenloses Leben, undwas durch sie gewonnen wird, ist doch nur ein unverdienterRaub, wie Alles, was durch Betrug erbeutet wird. Aber dasBetrübtcste für den Meißner ist, daß er nie das hohe Glückgenießt, das nur dem Wahrhaften zu Theil wird, dem man vonHerzen vertrauen kann das Glück der Freundschaft. Er magcs in der Kunst der Artigkeit und der Verstellung noch so weit ge-bracht haben: cs gibt ein Etwas in ihm, das sich nicht verstellenkann; dies ist der Ernst des Gewissens. Er lächle immer-hin: aus seinem Auge spricht noch ein anderer Geist und machtseinen Blick zweideutig. Es schwöre immerhin: das Gewissengibt umnerklich seiner Stimme, seinem Ton eine Eigenheit, diedas Falsche darin hervorstcchcn läßt. Wenn dich endlich Niemandverrathen mag, sei gewiß, du wirst unwillkürlich an dir selbstzum Verräther.

Daher kommt es, daß man dein Lächeln und Schönihunscheut, und auf deine Worte ungern baut; daher, daß dir imHerzen Niemand weiter traut, als man dich mit Augen sieht;daher, daß die meisten Menschen vor dir in einer gewissen Zu-rückgezogenheit stehen, und dich und deine Wege gern beobachten.Und die erste, die kleinste zweideutige Handlung, auf der du er-tappt wirst, ist groß genug, dir das Zutrauen deiner Bekanntenund Nachbarn ans lange Zeit, vielleicht auf immer, zu rauben.

Siche, das ist die Frucht deiner Feinheit, deiner vermeintenLrbcnsklugheit, daß du einsam durchs Leben gehst in deiner Doppel-gestalt, und kein reines, gutes Herz sich innig an das deinigrschließe» will. Du wandelst ohne Freund! Dein Neichthum kanndir Schmeichler aulocken, die dich täuschen, wie du Andere täuschest;