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3 (1853)
Seite
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geheim, Gott kennt sie. Nicht das Essen, sondern der treuloseSinn, in welchem er, macht ihn zum Sünder.

Es ist möglich, daß etwas unter gewissen Umständen nützlichund unter andern schädlich sein kann. Aber die Tugend hängtnicht von den Umständen ab, wie das Nützliche. Das Nützlicheist nicht immer die Tugend. Sonst müßte ich den Betrüger edcl-müthig heißen, weil er sich selbst nützlich zu sein strebt; oder denVerschwender tugendhaft nennen, weil sein Verschwenden Andernnützt. Die That heiligt nicht den Sinn, sondern der Sinn, dieTugend heiligt die That. Die gleiche Handlung kann Wirkungdes Edelmuths und der Niederträchtigkeit sein, se nachdem derSinn der Menschen dabei verschieden ist, welche sic ausüben.Zwei Menschen unterstützen mit gleichen Geldsummen eine armeFamilie, der Eine, um sie aus der Liefe ihres Elendes zu ziehen,der Andere, um eines ihrer Glieder zu einer Schändlichkeit zubestechen. Waren beide in der gleichen That gleich tugendhaft?

Und so verschieden auch in den Ländern der Erde die Sitten,Gebräuche und Ordnungen der Menschen sein mögen: überallwohnt doch ein tiefes Gefühl und Ahnen dessen, was recht, er-haben und tugendhaft ist. Und dies Bewußtsein des Rechts undder Tugend selbst ist meistens erst die Grundlage von den man-nigfaltigen Gesetzen und Sitten und Uebungen. Dieser Sinnfür Tugend ist gleichen Alters und gleichen Ursprungs mit demGlauben an Gott. Es mögen Gewohnheit und Himmelsstricheine verschiedene Bekleidungsart der Völker einführen und recht-fertigen, hier eine gänzliche Verhüllung der Gestalt, dort einehalbe Nacktheit gebieten: aber das edle Gefühl der Schamhaftig-keit ist Allen angeboren. Du findest dasselbe bei den wildestenNationen. Eidschwur und die Art, wie Versprechungen geleistetwerden, um rechtliche Verbindlichkeit zu erhalten, mögen bei allenNationen von einander abweichend sein, so daß bei der einen