Druckschrift 
3 (1853)
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

83

Diese Frage ist eine der wichtigsten für meinen Geist, undmeines ganzen Ernstes würdig. Denn wie ich sic mir beantworte,entscheidet es über, die Tugend und Glückseligkeit meines ganzenLebens. Allein die Beantwortung derselben ist nicht leicht, oderscheint es doch nicht zu sein. Denn woher stehen noch immer soviele Menschen mit sich selber im Widerspruche bei ihren gutenVorsätzen und bei ihren schlechten Thaten? Woher käme cs sonst,daß so wenige cs recht anfangcn, die Grundsätze, welchen sieihren Beifall nicht versagen können, im alltäglichen Leben an-haltend auszuüben?

Es kommt daher, daß unsere guten Entschlüsse, die wir inder Einsamkeit, im Gebet, in der Kirche, oder nach wichtigenLebensvorfällen fassen, mehr Wirkung von lebhaften Gefühlensind, als Früchte reiflicher, kalter Ucberlegnng. Wenn unser Herzerwärmt ist, dann scheint uns Alles leichter zu sein, als cs nach-her ist, wenn wir zur Ausführung kommen. Wenn wir von star-ken Empfindungen bewegt werden, stelle» wir uns in der Thatdie Welt ganz anders vor, als wir sie finden, wenn wir nunmit kaltem Blute in ihr dastchen. Daher, sobald unser Gemüthnach den ersten Aufwallungen wieder seine vorige Ruhe, seinegewöhnliche Stimmung zurückcmpfangcn hat, bemerken wir,daß nicht Alles so ist, nicht Alles so geschehen kann, wie wir csuns vorgestcllt haben. Wir können die Welt nicht nach unfernGefühlen richten, sondern wir müssen uns nach der Welt richten.

Der Mensch also fehlt darin, daß er in einem Augenblickeschöner Rührung, oder in einem Augenblicke der Angst undNeue, sich vornimmt, ein edlerer Mensch zu sein, und seinerund Gottes würdiger in Christi Vollendung zu leben. Dennalle heftigen GemüthSbewegungcn sind vorübergehend, und mitihnen geht auch die Kraft des großen Entschlusses vorüber..Weit besser geschieht hingegen Alles, was mit ruhiger Bedacht-