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3 (1853)
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Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach; das Wollen habeich wohl, aber das Vollbringen fehlt mir. Es ist unmöglich,hier auf Erden schon ein Heiliger zu werden. Jeder Menschbehält immerdar seine Schwächen. Gott kann doch nicht mehrverlangen, als der Mensch zu leisten vermag. Es ist unmöglich,daß man unter allen Geschäften, Handlungen und Zerstreuun-gen, zu denen uns das Leben in der gewöhnlichen Welt nöthigt,fortdauernd an den Umfang aller Pflichten denken kann, die unsvon der Religion geboten sind; eS ist unmöglich, daß man imUmgänge mit den Leuten von verschiedener Art beständig zugleichan Gott und Ewigkeit oder an Gelübde denken kann, die mangcthau hat! Entweder müßte man seine eigene Natur vcr-läugncn, und mitten in der Welt zum Träumer werden, oderman müßte sich in eine beständige Einsamkeit flüchten, wo mannichts Anderes zu thun hätte, als sich mit Religion zu beschäftigen.

Solche Bcruhigungsgriinde sind bei den Menschen sehr ge-mein. Man hört dergleichen fast alle Tage, sobald das Gesprächauf diesen Gegenstand kommt. Man spricht sie aus, und fühltdoch wohl, daß sich damit auch der leichtsinnige und schlechteMensch eben so gut, als der wahrhaft redliche, entschuldigenoder beschönigen kann. Man spricht sic aus vor den Leuten,und bereut sic vielleicht im Gebete vor Gott. Denn das Ge-wissen redet auf ganz andere Weise in uns, und Jesus spricht:Wer mein Diener sein will, der folge mir nach. Undwo ich bin, da soll mein Diener auch sein; und wermir dienen wird, den wird mein Vater auch ehren.(Joh. 12, 26.)

Wie aber kann ich diesen Widerspruch zwischen meinem Wollenund meinem Thun aufhcbcn? Wie soll ich als ein Christ,das heißt, als ein Weiser, mit meinen GrundsätzenKästchen im Gedränge des gewöhnlichen Lebens?