samkeit vorher erwogen worden ist. Denn den Verstand zumUeberlegen behalten wir zu allen Zeiten; aber aufwallende Ge-fühle verschwinden schnell.
Viele, die demnach glaubten, daß sie ihren im Augenblickeheiliger Rührung gefaßten Vorsätzen getreu zu bleiben im Standesein könnten, von der andern Seite aber wohl einsahen, daß imgewöhnlichen Leben allzuviel Störungen eintrcten würden; suchtensich auf besondere Weise zu helfen. Sie zogen sich so viel alsmöglich von dem sogenannten Weltgetümmel zurück. Sie hütetensich sehr, fröhlich zu werden, und bemühten sich immer, einestille, ruhige Stimmung beizubehalten. Sic strengten sich an,jene frommen Rührungen des Herzens oft in sich zu erregen; siebeteten, so oft sie konnten; nahmen in ihrem Tone, in ihrenGeberdcn eine gewisse Art an, die Welt zu verachten mit ihrenLüsten; machten sich aus der Thcilnahme froher Lustbarkeiten, sounschuldig dieselben auch sein mochten, ein Gewissen; eilten fleißigin die Kirchen; sprachen immer in einem frommen Ton, und be-hielten diese Art zu sein beständig bei, auch wenn ihr Gcmüthnichts weniger als in der dazu erforderlichen Verfassung seinmochte, auch bei Beschäftigungen, welche sich zu solcher Stim-mung am wenigsten schickten.
Was entstand nun daraus? Eine Gewohnheitssache der äußernZucht und Geberdc; ein frömmelndes Spiel mit Empfindungen,Bildern und Redensarten; oft und zuletzt nur eine für das thätigeChristcnlebcn unfruchtbare Schwärmerei; wie sie Jesus nicht for-derte, der seine eigenen Jünger wirksam und vielgeschäftig unterdie Leute hinaussandte — oder eine stille Heuchelei, wo Sprache,Gebcrden und fromme Uebungen nur allzuhäufig mit demjenigenin Widerspruch standen, was in Sinn und Gcmüth vorging.
Die heilige Religion Jesu aber gebictetuns keineswegs dieseLebensart, diese Zurückgezogenheit, dieses unaufhörliche Fromm-