74
einem unbekannten Geiste getrieben, von einer unwiderstehlichenMacht gezogen, wandelten bewaffnet durch einander; verdrängteneinander aus den tausendjährigen Wohnsitzen; stifteten mit ihrenblutigen Schwertern neue Reiche. Das prachtvolle Jerusalemward ein schauerlicher Steinhaufen; das wcltbchcrrscheuvc, kaiser-liche Rom ging unter, und Barbaren versteigerten den Thronder ehemaligen Regierer der bekannten Erde um einige Gold-stücke; es war kein Tprus, kein Babylon, kein Athen mehr —aber das göttliche Wort währte, und breitete sich mächtiger undmächtiger über die bekannte Welt aus, machte die Barbarenmenschlicher, und die menschlichen Völker weiser.
Die Welt ward beruhigt. Die neuen Reiche befestigte» sich,der christliche Glaube herrschte weit umher, und beglückte dasVolk der Hütten und Paläste. Da wurden jenseits der unermeß-lichen Weltmeere neue Inseln, neue Länder, neue Völker ent-deckt, von deren Dasein vormals kein Sterblicher vernommenhatte. Sucht nach Gold trieb Tausende über das Meer in dieneu gefundenen Reiche hin. Sic starben. Ihr Gold ward Staub.Aber die Lehre Jesu, mit ihnen in die neue Welt übcrgedrun-gen, dauerte fort und veredelte die wilden Völkerschaften jenseitsdes Ozeans, und das Reich Gottes erweiterte sich von einemWeltthcil zum andern, von einem Pol der Erde zum andern.
Nun erleuchteten mannigfaltige Wissenschaften die Welt —Kunst und Gelehrsamkeit wurden immer gemeiner. Was vor-mals der Schaß einzelner Weisen gewesen, wurde nun ein Ge-meingut der Völker. Auch die Niedrigsten ließen sich das Lichtder Wissenschaften in den Schulen mitthcilcn. Tausend aber-gläubige Hebungen der Vorwelt wurden vernichtet, tausend Jrr-thümcr des Alterthums zerstört. Aber das Wort Gottes währtefort; die Lehre Jesu, von den durch die Heiden eiugemcngtenund aus ihren Tempeln entlehnten Fabeln verunreinigt, stieg