65
Wort entstanden, wodurch der Heiland uns zur Seligkeit, zurHähern Scelenvollcndung ruft, sondern über die Eigenschaftenseiner Person, über die göttliche und menschliche Natur in ihm,über sein Verhältniß zum Vater der Welt, über das Geheimnißder Dreieinigkeit, über Gegenstände, welche dem Auge der Sterb-lichen ewig geheimnistvoll bleiben werden.
Jesu Lehren und Anweisungen von dem, was wir als seineNachfolger zu unserer Bcseligung thun sollen, sind hingegensonnenhell. Aller Christen Sinn vereinigt sich brüderlich in ihnen.Hier ist kein Dunkel, kein Zweifel, sondern ewiges Licht, dasnoch zu höherm Lichte führt.
Daher sind mir die Evangelien vom Leben meines göttlichenLehrers vorzüglich theuer. Ich sehe sein Beispiel, ich will ihmnachahmcn; und wenn ich ihm Nachfolge, wie könnte ich da irregehen? — Ich lese die Worte, welche sein heiliger Mund selbstgesprochen, jene Worte der Belehrung, der Zurechtweisung, derBarmherzigkeit, des Trostes — in ihnen ist Alles Licht. Weran diese Worte glaubt, der wird selig werden.
Daher sind mir die Lehren und Briefe der Apostel Jesu vor-züglich theuer, besonders wo sie mir Jesu Worte wiederholen,wo sie, wie Jesus, mich belehren, wie ich meinen Lebens-wandel einrichtcn soll, um Gott wohlgefällig zusein. Ist dann auch noch mancherlei dabei enthalten, was aufdamalige Zeiten und Verhältnisse Beziehung hat, von Vorfällenund Umständen veranlaßt worden sein mag, die ich nicht genaugenug kenne, so wage ich es nicht, mir die Dunkelheiten nachmeinem Sinn und Eigendünkel zu erklären, weil ich doch zuletztfürchten muß, nur in Jrrthümer, wohl gar in Schwärmereienzu gerathen, die mir und Andern wenig nützen können, oft aberverderblich werden.
Das Lesen der heiligen Schrift ist daher immer mit VorsichtIII. 3