S9
Werl aber bei solcher Negicrungsart der israelitische Staatoft schwer erschüttert ward und in Unordnung gcrieth, wurdenKönige erwählt. Unter ihnen waren David und Salomo dieberühmtesten, weil sie das israelitische Reich ans die höchste Stufeder Macht und des Glanzes erhoben haben. Wem sind Davids,des heiligen Sängers, herzcrhebende Psalmen fremd? Er selbsthat, nebst Assaph, deren hundert und fünfzig gedichtet. Nathanund Gad, welche angeblich die Bücher SamueliS vom fünfund-zwanzigsten Kapitel an verfaßten, haben aber an der gegenwär-tigen Psalmen-Sammlnng keinen Antheil, so wie sich darunterauch noch viel ältere Psalmen befinden, die Moses gedichtet hat.Nichts übcrtrifft ihre Erhabenheit, ihre Würde, ihren seelenvolleKraft. Wer liefet sie, ohne sich in seinem Innersten ergriffen zufühlen?
An Weisheit stand dem heiligen Sänger David sein SohnSalomo zunächst. Von seiner Weisheit zeugen noch die unterseinem Namen gesammelten Sprichwörter, der Prediger und dashohe Lied, ein erhabenes Gedicht. Aber diesen erleuchteten Köni-gen waren die Nachfolger sehr unähnlich. Das Land theilte sichin zwei besondere Staaten, in ein jüdisches und ein israeliti-sches Königreich. Man vergaß der alten Eintracht, vergaß dieWarnungen der Vorwelt, die Gebote und Ordnungen Mofis.Umsonst erhoben sich fromme, gottgeweihte Männer, und drohtendem getrennten, in Abgötterei versinkenden Volke den nahen Unter-gang. Niemand hörte die Propheten; und der Untergang ge-schah. Die beiden Königreiche wurden von andern Völkern be-zwungen, erobert und die angesehensten Familien zu vielen Tau-senden in die Sklaverei geführt. Dies waren die Zeiten derbabylonischen Gefangenschaft. Jetzt erinnerten sich die Unglück-lichen, aber zu spät, an die Weissagungen der vorher verachtetenweisen Männer und Propheten, eines Jona, Hosea, Joel,