preisen von Handlungen, die sich nur etwas über das Gemeineerheben.
Woher nun dieser Mangel an Standhaftigkeit und gerechtemLebenswandel? Woher dieser Grundfehler, der unfern ganzenWerth vernichtet, unsere ganze Religiosität zum Spiel der Um-stände macht, und uns zu einem schwankenden Rohr, das sich nachder Richtung jedes Windes bewegt?
Oft und nicht selten am meisten entstammt er schon unsererErziehung in jiingern Jahren, wo wir uns entweder zusehr selbst überlassen gewesen sind, oder von denen, die uns er-zogen, verzärtelt wurden. Ich meine nicht jene Verzärtelung inKleidern, im Essen und Trinken, in Verweichlichung unscrüLeibes, wiewohl auch diese unfern Geist allerdings zu Leibeigenender thierischen Sinnlichkeit macht — sondern die Verzärtelungunscrs Willens, welche noch viel größere Uebel bewirkt. DerWille aber wird verzärtelt, wenn die Jugend nicht schon frühangchalten wird, mit Ernst und Festigkeit das zu wollen, wassie für gerecht, wahr und gut hält; wenn sie nicht früh ange-halten wird, Alles zu thun, was Pflicht ist, und dann um solieber, je mehr Anstrengung und Selbstüberwindung cs kostet;wenn man cs zuläßt, daß sie answeicht, was ihr Beschwerlich-keit verursachen könnte, daß sic unterläßt, was zu große Selbst-überwindung,, zu saure Opfer fordert; daß man ihr alles Guteund Nützliche nur spielend beibringen, es sie nur mit Bequem-lichkeit verrichten lassen will.
Dies ist's, o Vater, o Mutter, was dem Herzen die ange-borne Kraft raubt, was den Geist erschlafft, was das Gemüthvergiftet! Umsonst erwecket ihr in ihnen bei feierlichen Anlässenfromme Rührungen. Diese Rührungen verschwinden; nichts ist,das fcsthält. Umsonst wollet ihr durch Ermahnung und Lehrein ihr Gemüth edeln Sinn pflanzen; ihr pflanzet auf zu leichten-