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oder jeder andern Leidenschaft, sowohl von Andern als von dir.Habe nur vor Augen, was recht und heilsam ist Alles Anderemuß vor dem, was gerecht ist, zurückstehen, selbst dein eigenerVortheil. So wirst du mit dir selbst einig sein im Urthcile.Dann handle und rede deiner Ueberzeugung gemäß; wirke zumGuten hin. Sei stark und männlich.

Bei vielen Andern entsteht die Karakterlosigkeit nicht sowohlaus Schwäche des Verstandes, oder aus Uneinigkeit mitsich selber im Urtheil über das, was wahr, recht und nützlichist, als vielmehr aus Schlechtigkeit und Schwäche desGemüt Hs. Sic erkennen die bessern Grundsätze an, aber ihrEigennutz, ihre Eitelkeit macht sie treulos an denselben. Weitentfernt, mit ihren Grundsätzen unerschütterlich den wandelbarenUmständen cntgegenzustehen, lassen sie ihre Denkart durch dieUmstände beherrschen. Indem sie nicht das allgemeine Wohl,sondern ihren kleinen, augenblicklichen Vorthcil in Gedanken haben,verkaufen sie sich mit falscher Klugheit dem Meistbietenden, lassensich von den Ereignissen beherrschen, und werden gegen ihre in-nersten Ueberzeugnngen, aus bloßer Feigheit, die Sklaven derer,die Muth haben, ihnen zu gebieten. Daher ist in ihrem ganzenVerhalten keine Gleichförmigkeit, weil Umstände nie lange diegleichen sind. Sie tragen jeden Tag eine andere Farbe, weilfie jeden Tag eines Andern Knecht werden. Sie sind verächt-ächtliche Heuchler heute; morgen prahlende, freche Verhöhnerdessen, was wahr und gut ist; übermorgen sieht man fie kriechenddas Vorige bereuen, um es, wenn es dazu Anlaß gibt, wiederzu begehen mit gleicher Schamlosigkeit.

Diese Gattung Menschen ist in unfern Tagen nur allzuzahl-reich, weil Vielen, versunken in gemeiner Selbstsucht, die Klug-heit mehr gilt, als die Ehrlichkeit gegen sich selbst. Sie rechnenxs sich zum Verdienst, daß fie, immer in vorangegangenen und.