Menschen fürchtet, und sich selbst zu ehren weiß. Nur wer keineAchtung für sich selbst hat, wird sich zur Verachtung Anderermachen können. Wer die Wahrheit, das Recht, das Vernünftigeliebt, kann es nicht zugleich hassen und mit dem vertauschen,was ungerecht und vernunftwidrig ist.
Bei sehr Vielen rührt dies schimpfliche Verhalten wohl daher,daß sie in wichtigen Angelegenheiten noch mit sichselber nicht einig sind, und ohne alle Ucberzeugung, obrecht und zweckmäßig oder nicht, nach deir Eingebungen desAugenblicks handeln. Dies ist der Leichtsinn und die Unverstän-digkeit des Kindes, welches ohne eigenes Urthcil geht, wohin esgelenkt wird. Ein Mensch ohne Ucberzeugung und eigenes Ur-thcil ist ein Schiff ohne Ruder und Anker im Meere. Es kannsich selbst nicht leiten; es folgt dem Spiel der Wellen, es gehtim Sturme gegen Sandbänke und Klippen, ohne sich retten znkönnen.
Was auch Bedeutendes in deinem Hause, in deiner Familie,in deiner Gemeinde, deinem Vaterlande geschehe: erlaube dirkein voreiliges Urthcil, ohne von allen Umständen genau unter-richtet zu sein. Haben deine Erkundigungen dich genug in Standgesetzt, ein reifes und gründliches Urthcil zu fällen; bist du ver-pflichtet, an dem, was vorgeht, thätigcn Antheil zu nehmen —dann frage deine Vernunft: was ist'recht und billig? dein Ge-wissen; was ist das Beste, das du in dieser Sache thun kannst?deinen Verstand: wie erreichst du den guten und redlichen Zweckauf die beste, redlichste Weise? — wie würde, wenn Jesus indeinen Verhältnissen lebte, der Heilige, der Menschenfreundlichegehandelt haben?
So bilde dir durch kalte Uebcrlegung dein Urthcil, deinenGrundsatz; berichtige ihn in freundschaftlichen Unterhaltungen mitAndern. Sei argwöhnisch gegen die Sprache des Eigennutzes