Druckschrift 
3 (1853)
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42

Dic Männlichkeit und Stärke der Denkart äußert sich in derFestigkeit derselben, welche sich nicht durch veränder-liche Umstände erschüttern läßt. Es gibt keine Tugendohne Hcldenmuth, keinen Hcldenmuth ohne Wachsamkeit über sichselbst. Denn die gefährlichsten Klippen unserer Standhaftigkeittu Grundsätzen liegen weniger in den Außcndingcn des Lebens,als in unserm Innern. Leichtsinn, Eitelkeit, Leichtgläubigkeit,Stolz, Eigennutz, Verzärtelung des Leibes, Gemächlichkeit,Mcnschcnfurcht, dies, nicht die äußern Umstände, sind unsereFeinde, die uns zu Verräthern und Erniedrigern unserer eigenenWürde machen.

So rühmlich inzwischen Festigkeit des Karakters ist in dem,was muthig, groß, gut und edel heißt: so fehlerhaft ist eineähnliche Festigkeit in unbedeutenden oder ungerechten Dingen.Sie ist hier nicht Festigkeit-des Geistes, sondern der Leiden-schaft, der Verdorbenheit dcs Gemüths, der thierischcn Neigung,welche das Uebcrgcwicht über alle Vernunft gewonnen hat.

In unwichtigen Angelegenheiten und ohne wich-tige Ursachen bei seinem einmal ausgesprochenen Willen blei-ben, heißt nicht Karakterfcstigkcit, sondern unnützer, beleidigender,liebloser Eigensinn. In einer schlechten, ehr- und gewissen-losen Denkungsart beharrlich bleiben, trotz allen Warnungen undStrafen, heißt Halsstarrigkeit. Es zeugt der Eigensinn vonMangel an Verstand, die Halsstarrigkeit von Mangel an Recht-lichkeitsgcfühl. Beide, weit entfernt, die Stärke des Gcmüthszu beurkunden, verrathcn die Schwäche desselben, da cs derGewalt einer niedrigen, thierischcn Leidenschaft unterliegen muß,welche die Vernunft, doch vergebens, mißbilligt.

Wachet, stehet im Glauben, seid männlich undstark! ruft die Gottesstimme aus der heiligen Schrift. Wervermag cs immer? Jeder vermag es, der Gott mehr als den