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^ morgen anders denken und reden; deren Grundsätze kein Jahr,oft keinen Tag, die gleichen sind: was müssen wir denn gegenuns selbst empfinden, wenn unser Gewissen uns sagt, daß auchwir zu denen gehören, die sich lieber nach dem Gebot und Vor-theil der Umstände, als nqch dem Gebot der Pflicht und recht-lichen Grundsätze richten? — Verachtung unser selbst straft unsnach jeder falschen That unscrs Wandelsinns; aber nicht minderauch die Ueberzeugung, daß andere Leute keine wahre Achtungfür uns hegen können, wenn sie uns gleich mit äußerer Höflich-keit begegnen, und cs uns nicht merken lassen, wie wenig festesZutrauen sie auf unser Wort und auf die Denkart haben, diewir heute aussprcchen.
Und wahrlich, ein solcher Zustand ist Jedem, wer er auchsei, der unangenehmste. Denn die Verachtung der Mitbürgertragen, von ihrem Vertrauen verstoßen zu sein, ist schwer, zumalwenn durch eigenes Verschulden dies Loos das unsrigc ist. Wirkönnen sogar vorauSschen, daß, wenn wir unglücklich werdensollten, wir nicht einmal auf herzliche Theilnahme rechnen dürfen,weil wir durch die Veränderlichkeit in Gesinnungen, Grundsätzenund Zwecken uns um herzliche Freunde gebracht haben.
Der schwache, sich beständig ungleiche Mensch, der in seinenUrtheilen und Thaten immer von einem äußern Anstoß geleitet" wird, nie aus sich selbst heraus handelt, ist ein unsicherer Bür-ger, ein gefährlicher Freund; eine Hausmutter, welche Zwie-tracht, Verwirrung und Mißtrauen unter die Ihrigen bringt,darf auf den Namen einer ächten Christin keine Ansprüchemachen. Aus wem nicht immer Jesu Geist redet; wer nicht im-' mcr, cs sei in friedlichen oder unfriedlichcn Verhältnissen, mitdem reinen Wohlwollen Jesu handelt; wer um eines Vortheilswillen, den die Umstände darbietcn, oder aus Laune, oder ausBesorgniß, einen Vortheil zu verlieren, lieber gegen die Vor-