Druckschrift 
3 (1853)
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fortführe zu bitten, und, um die Erfüllung des Wunsches zubewirken, den Aeltcrn ein Stückchen BrodeS böte, das es vonihnen empfangen; würden die Aeltern den Sinn des Kindes thun?Und wenn dafür das Kind gelobte, künftig recht gehorsam zusein, würden die Aeltcrn nicht sagen; dies ist auch ohnedemdeine Pflicht; du würdest dich durch Ungehorsam selber inSchaden setzen? Und so, wie dieses Kind, steht der Menschzu Gott. Ach, und der Sterbliche, wer er auch sei, ist vor demAllweisesten noch unendlich unwissender und kurzsichtiger, alseinunmündiges Kind vor irdischen Aeltern.

Man pflegt nur Gelübde zu thun, wenn irgend ein besondererWunsch hart am Herzen liegt. Da ist größere Inbrunst undHeftigkeit des Gebetes. In allem Andern haben wir uns sonstgern auf die Weisheit und Güte des ewigen Vaters verlassen;hier aber schreien wir zu Gott, gleichsam als könnten und wolltenwir durch unfern Ungestüm erzwingen, daß er unfern Willen er-fülle, oder als wäre unsere Weisheit höher, denn Gottes Weis-heit. Ein solches Gebet ist wohl das Gebet des Eigensinnes zunennen. Wie aber, wenn die Erhörung des Wunsches unserunvermeidliches Verderben gewesen wäre? Wie, wenn das, waswir zum Gelübde und Opfer därboten, einen furchtbarem Nach-theil für uns gehabt hätte, als dasjenige uns Freude machenkonnte, was wir dagegen zu erhalten wünschten? Hätte Jeph-thah wohl sein Gelübde gethan, wenn er dessen schreckliche Folgenvorausgewußt haben würde? Ach, konnte den Vater die Ehre,Feldherr und Oberhaupt zu sein, reizender dünken, als das Lebenseiner einzigen Tochter? Zu spät ergriff ihn verzweifelnde Reue,daß er seine Kleider vor Schmerz zerriß. Er überlebte seinenschrecklichen Verlust nur sechs Jahre.

Es wird Mancher bei sich denken können; Nein, das Gebet,in welchem ich dem Himmel Gelübde gethan, war wohl nicht