Druckschrift 
3 (1853)
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Unter Gelübden versteht man gewöhnlich ein feierliches Ver-sprechen, irgend etwas uns Schwerfallendes zu leisten, wenn dieGottheit dafür unfern geheimen inbrünstigen Wunsch erhören will.Geht der Wunsch in Erfüllung, hält man sich verpflichtet, dasVersprechen zu halten, was man dem Himmel, oder Gott undseinen Heiligen, gcthan hat.

Zwar läßt sich nicht läugnen, daß das Ablegen eines Gelübdesimmer ein frommes, sich gern mit Gott beschäftigendes Gemüthvoraussetzt. In dieser Hinsicht könnte cs als ein löbliches Zeug-niß religiösen Sinnes gelten. Auch läßt sich nicht läugnen, daßderjenige, welcher Gott Gelübde darbringt, es mit kindlichemHerzen, mit Glauben, mit Inbrunst thut. Und wäre selbst dasGelübde vergebens, bleibt doch das Herz ehrwürdig, welches das-selbe that, vorausgesetzt, daß es ein edles Gelübde sei für eineedle Sache. Aber läugnen läßt sich auch von der andern Seitenicht, daß ein Mensch, der Gott durch Darbringung von Ge-lübden zu bewegen hofft, ihm einen Wunsch zu gewähren, vondem Verhältnisse der göttlichen Liebe zum Menschen, von derNatur des rechten Gebetes und von dem Geist des wahren Christcn-thums keine richtige Vorstellung habe. Er kann mit Glauben undVertrauen bitten; aber er bittet zugleich mit Eigensinn.

Jesus Christus, der hohe, göttliche Offenbarer des gött-lichen Willens, hat uns nie ermahnt, in unfern Ge-beten Gelübde zu thun, um dadurch den Herrn unfernGott zuvcrmögen, zu thun, was wir begehren. Viel-mehr er warnte vor allem Mißbrauch im Gebet. Euer Vaterweiß, was ihr bedürfet, che denn ihr bittet! sprach er. (Matth. 6, 8.)Er warnte vor allem Eigensinn in unserm Gebet, und daß wirdarin nicht dem Allwcisen verschreiben, was wir von ihm er-warten.Nur Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel!"so lehrte er beten. Er warnte sogar, Gott äußerliche Gelübde und