fluiden, statt sic in Einfalt die Dinge erblicken zu lassen mitWahrheit und Klarheit, wie sie find? Oder wie soll ich mirdie Spuren der Einsicht von göttlichen Dingen bei uralten Völ-kern erklären, die den Lauf der Gestirne kannten, Unsterblichkeitund Gottheit, ehe sie noch verstanden, Hütten zu bauen oderKleider zu weben? Leset die ältesten Sagen der Morgenlands-völker: ihr werdet in ihnen noch die Trümmer der alten Ur-begriffe, wenn gleich oft schon mißverstanden, wicderfinden, undein chrfurchtvolles Hinüberdeuten auf eine heiligere, weisereMenschheit vor ihnen.
So gewiß sich noch heutiges Tages Alles, das Größte undKleinste der göttlichen Schöpfung, in den ewigen Gesetzen desSchöpfers bewegt, wie cs zweckmäßig und recht ist: so be-wegte sich der gottgcschaffene Mensch ursprünglich in den ewigenGesetzen des Wahren und Guten, und gedachte keines Andern,weil es noch nicht erfunden, auch keine Versuchung da war, etwasAnderes zu denken.
Aber die Sinnlichkeit trat leise hervor. Frei und mit Willkürstand der Mensch zwischen dem Reiz der Sinne und der Geistes-gesetzgebnng. Er versuchte auch, was ihm die Stimme Gottesuntersagt, seine eigene Einsicht gcmißbilligt hatte. Er fiel. Soentsprang die Sünde.
Und mit der Vermehrung des Menschengeschlechts vermehrtensich die äußern Bedürfnisse. Das Nachdenken vom Göttlichenlenkte sich auf das Irdische. Leidenschaften entsprangen aus denvielen neu erfundenen Verhältnissen. Immer wichtiger ward demMenschen die Pflege seines Körpers, das Vergnügen der Sinne.Er verlor immer mehr von der alten, angestammten Majestätund Reinheit des Gcmiiths. Er verirrte sich durch widernatür-liche Begierden von der Wahrheit der Schöpfung; er entzweitesich mit der Natur, und ward selbst unnatürlich. Er entartete