«V
- 19 -
Noch in unfern Tagen finden Reisende in den kalten Etslän-dern Spuren genug, daß fie ehemals bewohnter, bekannter, undvon einem mildern Himmel angclächelt worden find. In unscrmdeutschen Vatcrlande hat man noch in der Erde halb zu Stein,halb zu gelbem Staub gewordene Palmenwälder entdeckt. Eingrößeres Thicrgcschlccht lebte damals in Wäldern und Feldern.Noch jetzt werden unter der dicken, zuweilen nie schmelzendenEisrinde der Nordländer die Ungeheuern Gebeine, selbst wohl-erhaltene Stücke Fells von Thiercn gefunden, deren Bau, Ge-stalt und außerordentliche Größe uns in Erstaunen setzen, undvon deren Gattung kein lebendiges mehr auf der Erde gesehenwird. Sogar Stephanien und Nashörner und andere Thiere,welche heutiges Tages nur in den wärmsten Ländern erblicktwerden, zeigen noch jetzt ihre unverweseten Gerippe in jenentodten, kalten Schncewüsten. Es war also doch einmal auf Er-den anders, als jetzt. Es war also doch einmal ein Paradies,ohne Wechsel der Jahreszeiten.
In jenen schönen Urzeiten, so lehrt die heilige Schrift, gingder Mensch sündenretn ans Gottes Hand hervor. Erwar mit Gott enger verbunden, als in später« Zeiten, da ersich von ihm mit sündigem Antlitz abwcndete. Was sollen wirdazu sagen? Aber noch in unfern Zeiten entdecken wir unzweifel-hafte Spuren in der Geschichte, daß vor undenklichen Zeiten einMenschengeschlecht gelebt haben müsse, welches, einiger mit derNatur und nur mit dem Göttlichen vorzugsweise beschäftigt,uns an Weisheit und Erkenntniß übertroffen hat.
Wenigstens muß es noch heutiges Tages unsere Bewunderungoder unser Befremden erregen, daß die allerältesten Völker derErde, von denen wir noch Nachrichten und Ueberlieferungcn be-halten haben, sehr richtige Vorstellungen von der Gottheit, vonder Unsterblichkeit, von der Welt, und selbst von den Bewegnn-