nahmen die Apostel darauf in ihren Briefen an die christlichenGemeinden große Rücksicht, und gründeten darauf einen neuenBeweisgrund für die Wichtigkeit der neuen von Jesu verkündigtenReligion. Sic zeigten nämlich, daß wie durch Eines MenschenSünde die Verdammniß über alle Menschen gekommen sei, alsosei auch durch Eines Menschen Gerechtigkeit die Rechtfertigungdes Lebens über alle Menschen gekommen, und zwar durch JesumChristum. (Röm. 5, 18.)
Jedoch die mannigfaltigen Vorstellungsartcn der Sterblichenüber den Ursprung der Sünde in der Welt, die eine Schöpfungdes Allerheiligsten ist, können aus das Wesen, auf die Wahrheitund Göttlichkeit der Religion Jesu keinen Einfluß haben. Moch-ten daher auch die Menschen in diesen und ähnlichen'Dingen nochsehr von einander abweichende Meinungen hegen: Jesus Erlö-sungswerk ward darum nicht minder seligmachend.
Erst als nach einigen Jahrhunderten das Christenthum sieg-reich geworden, und das Sinnbild desselben, das Kreuz, weitumher aufgepflanzt war; als die Verfolgungen der BekennerJesu aufgehört hatten, und ihren Nachkommen Sicherheit, Ruhe,Wohlstand und Herrschaft geworden war: entstand mannigfaltigerStreit über die Mannigfaltigkeit von besonder:: Vorstellungsartcn.Da entstanden Lehren und Sätze über Dinge, die der Menschbei der Beschränkung seiner Einsichten unmöglich ergründen kann;da verfolgte man sich wegen gegenseitiger Jrrthümer; da warderst der Name der Ketzerei erfunden, und Christen wütheten nichtselten gegen Christen mit dem Schwert in der Faust um ihrerMeinungen willen. Aber der Glaube, den Jesus gegeben, seinErlösungswerk, seine heilige, von Sünden reinigende, zu Gottwieder hinführendc Lehre blieb über allen Streit und über allenZweifel erhaben. Nur um menschliche Vorstellungsarten wurdegekämpft, die zuletzt doch immer verschieden geblieben find. Darin