Druckschrift 
3 (1853)
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

Seid denn geliebt von mir, alle meine Feinde; seid gesegnetvon mir, die ihr mich verfluchet; ich will wohlthun euch, die ihrmich beleidiget! Fliehet von mir, lasterhafte Neigungen, ent-ehrende Gefühle, verführerisch lächelnde Sünden! Nahe dichmir, bescheidene Dcmuth, heitere Nächstenliebe, fromme Gelassen-heit, treue Redlichkeit, standhafte Wahrheit ihr christlichen Tu-genden alle! Nur in eurer Mitte ist Verklärung des Geistes, nurvon euch begleitet sehe ich einst lächelnd den Vorhang des Lebenshinter mir fallen, und vor mir die Pforten der Ewigkeit glänzendaufgchcn!

2 .

Das doppelte Gesetz in uns.

Rom. 7, 21 23.

Gott, welch' Verderben wohnt in nttr!

Wie oft, wie oft mißfall' ich Dir,

Durch wie viel Sünden! Wer erzählt,

Wie oft der Mensch nur täglich fehlt!

Er, dessen Herz Dir, weil er lebt,

Durch sein Verderben widerstrebt!

Er widerstrebt Dir, wenn ihn auchErleuchtet Deines Worts Gebrauch;

Nur, Herr, durch Deines Geistes KraftWird er gerecht und tugendhaft.

Der Geist ist willig, aber, ach!

Durch seiner Sinne Reizung schwach!

Wer hat nicht schon, wie Paulus, klagen müssen: Denn ichthue nicht, das ich will, sondern das ich hasse, dasthue ich! (Röm. 7, 15.) Wer hat nicht, wenn er auf seineHandlungen Acht gab, und wie selten sie mit allen guten Vor-

1