12
seine Unschuld und seine GemüthSruhe auf. Und hatte er endlichtheucr genug und spät genug sein Ziel gewonnen, so fand er eswieder mit Dornen umkränzt! Der Gedanke an die Gottheit istihm nicht trostvoll, und der Gedanke an die vergeltende Ewigkeitüberschüttet ihn mit Grausen. Es kommt die Stunde, da er seinDasein verwünschen, seine Gcburtsstunde verfluchen kann, die ihnin das mühselige, täuschungsvolle Leben hineinwarf --ach, indies Leben, das er durch seinen eigenen Wahnsinn verderbte, indem er Engel sein sollte, und nur thierisch blieb. —
Ich wende meinen Blick hinweg von diesem Bilde. Warumunternimmt der Sterbliche doch das Schwerste und Traurigste,warum verschmähet er das Leichteste und Schönste!
Dein Joch, o mein Jesus, ist sanft, darum will ich es mitFreuden nehmen und mit Dankbarkeit. — Deine'Last ist leicht,darum will ich fle mit Entzücken tragen. Du kanntest die Schwächedes sterblichen Menschen, darum bürdetest Du ihm nicht mehr auf,als er zu tragen vermochte. Du selbst warst Mensch; Du selbstzeigtest uns in Deinem wunderbar heiligen Wandel, wie viel derMensch vermöge. Triumphirend, und am Ende des großen Lebens-kampfes stieg Dein himmlisches Wesen zum Himmel zurück!
Möchte auch dies dereinst mein Theil sein! Ich werde im Todemeine irdische, thierische Natur von mir abstreifen, wie eine lästige,unbequeme Hülle, und verklärt und leicht wird mein Geist zu Gottaufsteigen — zu Dir, mein ewiger Vater, zu Dir, der mich durchJesu Mund zu sich rief, und zu dem empor mir jeden Tag dasSchicksal meines Lebens, jede Nacht der gestirnte Himmel winkt.
Nein, es ist nicht schwer, ein Christ zu sein; es ist nichtschwer, o Gott, Dein Kind zu sein, und Dich und Deinen Willenmit Inbrunst zu lieben. Es ist nicht schwer, sich aus diesem stür-mischen Weltgetümmel hinwegzusehnen nach Dir, und den heili-gen Weg dahin zu wandeln, den Jesus Christus mir verwandelte.