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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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sah Lavy Staunten jetzt hier. Der Eine, eben jener, der ihr sozur rechten Zeit zu Hülfe gekommen war, ein langer, junger Bur-sche, der wie ein Wilder aussah, stand aufrecht vor ihr. Er trugeinen zerrissenen Schottenmantel und ein kurzes Unterkleid, keineSchuhe, keine Strümpfe, keinen Hut oder Mütze die Stelle derletztem ersetzte sein dichtes, verschlungenes Haar, ein natürlicherHelm, stark genug, einen Schwertstreich abzuhalten. Seine Au-gen waren kühn und glänzend; seine Haltung frei und edel, wiedie der meisten Wilden. Er achtete wenig auf David Butler, dochmit Verwunderung gaffte er Lady Staunton an, als ein Wesen,an Klcidcrpracht und Schönheit allem, was er bis jetzt gesehen,so sehr überlegen. Der alte Mann, dessen Gesicht sie von untenzuerst gesehen, lag noch in derselben Stellung neben der Felsen-kluft niedergcstreckt, nur war sein Gesicht ihnen zugekehrt, undmit einer trägen Gleichgültigkeit, gänzlich im Widerspruch mitdem wilden Ausdruck seiner rauhen Züge, sah er zu ihnen auf.Er schien ein Mann von ungewöhnlicher Größe. Seine Kleidungwar wenig besser als die seines jungen Gefährten. Er trug ei-nen weiten Ueberrock und zerlumpte schottische Unterkleider.

Alles umher sah sonderbar wild und unheimlich aus. Unterdem Schirmdach des überhängenden Felsstücks war ein Stein-kohlenfeuer, auf welchem ein Brennkolben dampfte. EinBlasebalg, Zangen, Hämmer, ein beweglicher Ambos und an-dere Schmiedewcrkzeuge lagen und standen daneben- DreiFlinten, einige Säcke und Tonnen waren an die Felsenmauergelehnt. Ein Dolch, zwei Schwerter und eine Streitaxt la-gen hier und da zerstreut bei dem Feuer, dessen dunkelrotheGlut den Schaum und Nebel des herabstürzenden Wasser-falles bestrahlte, und ihm ihre Farbe lieh-

Als der junge Wilde Lady Staunton lange genug ange-gafft hatte, holte er einen irdenen Krug mit Branntwein ge-