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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
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füllt, und einen großen Becher von Horn. Er goß Einigesvon dem Getränk, das eben erst heiß aus dem Brennkolbengekommen schien, in den letzteren, und bot es erst der Ladyund dann ihrem Begleiter. Beide dankten, worauf er dasDargebotene, es mochte etwa drei Gläser betragen, selbst ineinem Zuge ausleerte. Er holte dann eine andere Leiter ausdem Winkel der Höhle, stellte sie gegen das quer überhän-gende schirmende Felsstück, und gab der Lady ein Zeichen, siesolle hinaussteigen, während er die Leiter unten festhalte. Siethat es, und fand sich auf der Spitze einer breiten Felsen-kuppe, nah am Rande des Schlundes, wo der Fluß sich hin-einstürzt. Sie sah, wie der gewaltige Wasserstrom gleich denMähnen eines wilden Pferdes stürmend hinunterflog von derHöhe. Allein die niedriger liegende Felsenfläche, der sie soeben entstiegen, war ihren Blicken gänzlich verborgen.

Dem jungen Butler wurde das Hinaufsteigen nicht so leichtgemacht. AuS Schadenfreude oder Lust zu necken, schüttelteder andere Knabe die Leiter tüchtig, während jener Hinauf-stieg, und schien sich seiner Angst zu freuen, so daß sie sichmit nicht sehr günstigen Augen betrachteten, als beide obenwaren. Der junge Zigeuner, oder was er sonst sein mochte,half Lady Staunton mit großer Sorgfalt eine zweite gefähr-liche Höhe ersteigen, und David Butler folgte, bis sie endlich,den Klüften und Abgründen entgangen, sich auf dem Gipfeleines nicht sehr steilen Berges sahen, dessen Abhang mitHaidekraut bedeckt war. Und so schmal war die Kluft, der sieentstiegen waren, daß nur am äußersten Rande des Bergesetwas von dem gefährlichen Abgrund sichtbar ward. Den Was-serfall sah man hier nicht, man hörte nur sein dumpfes Rauschen.

Dem Drohen der Felsen und Fluthen entgangen, hatteLady Staunton jetzt einen neuen Grund zur Angst. Ihre