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eine unglückliche Verwiesene bei nächtlicher Stunde erschienenwar, mit dieser schönen, feinen, gebildeten, stattlichen Fra». Nunsie den Schleier abgelegt hatte, schienen ihre Züge eigentlich nichtso verschieden mehr als ihr ganzes Wesen, ihr Blick, ihr Beneh-men. Dem Aeußern nach schien Lady Staunton ein zu weichesund zartes Geschöpf, als daß die Sorge sie je berührt habensollte; so sehr gewöhnt, all ihre Launen befriedigt zu sehen, daßes war, als erwarte sie, man solle ihr die Mühe des Fordernsersparen; so gänzlich unbekannt mit dem Widerspruch, daßsie nicht einmal den Ton gebieterischen Wollens annahm.Ohne Umstände befreite sie sich von Knockdunder's Gegenwart,sobald der Abend herannahte, indem sie ihn mit der äußer-sten Nachlässigkeit bat, sie zu verlassen, weil sie müde sei.
Als sie allein waren, äußerte Jeanie ihre Verwunderung,daß Lady Staunton sich so ganz in ihrer Gewalt habe, stetsihre Rolle behaupten zu können.
„Ja wohl mußt Du darüber verwundert sein, meine liebeJeanie," erwiederte sie, „da Du von der Wiege an die Wahr-heit selbst gewesen. Allein erinnere Dich, daß ich nun schonseit fünfzehn Jahren eine fortwährende Lügnerin bin, undnach gerade an meine Rolle gewöhnt sein muß."
In der That fand Jeanie während des fieberhaften Tumultsihrer Gefühle in den ersten Tagen ihrer Schwester Benehmengänzlich im Widerspruch mit dem niedergeschlagenen Ton ihrerBriefe. Der Anblick des Grabes, wo ihr Vater ruhte, von ei-nem einfachen Stein bezeichnet, der seine Gottesfurcht und Red-lichkeit erwähnte, rührte sie freilich zu Thränen; doch wenigerernsten Eindrücken gab sie sich eben so lleicht hin. Sie belustigtesich damit, die Milchkammer zu besuchen, in der sie früher solange Gehülfin gewesen, und war nahe daran, sich der alten Ma-rie Hettly zu verrathen, indem sie ihre Kenntniß des wichtigen