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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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schicken, welches er selber schon zu diesem Zweck hatte schießenlassen.

Im ungestörten Beisammensein überließen sich die Schwesternjetzt ganz und gar ihren liebenden Gefühlen, und jede von Beidenzeigte sie auf eine ihrem Wesen eigenthümliche Weise. Jeanie,von Erstaunen und Verwunderung übermannt, war still, in sichgekehrt, in einem Zustande der Betäubung- Esfie dagegen weinte,lachte, schluchzte, schrie, schlug die Hände vor Freude zusammen,alles im Zeitraum von fünf Minuten, indem sie so auf einmalihrer natürlichen Lebhaftigkeit freien Lauf ließ, die sie sonst durcheine erkünstelte gute Lebensart in Schranken zu halten wußte-

Nachdem ihnen in Liebkosungen und traulichem Gespräch eineStunde wie ein Augenblick vorübergegangcn, sah Lady Stauntonden Hauptmann unter dem Fenster mit ungeduldigen Schrittenauf und abgehen. »Da ist der lästige Narr schon wieder," sagte sie,ich werde ihn bitten, uns mit seiner Abwesenheit zu beglücken."

Ach nein, ach nein," bat Jeanie die Schwester, »belei-dige ihn nicht."

Beleidigen?" erwiederte jene, »Niemand fühlt sich je vondem, was ich sage oder thue, beleidigt, meine Liebe. Dochwenn Du es verlangst, will ich ihn dulden."

Dem zufolge war Lady Staunton so gnädig, den Hauptmannzum Mittagessen einzuladen- Und einen drolligen Gegensatzbildete während dieses Besuchs seine streng abgemessene Höf-lichkeit gegen die Frau von Stande mit dem adlig herablassen-den Betragen, welches er sich gegen die Pfarrersfrau erlaubte.

Je mehr Jeanie ihre Schwester betrachtete, um so größerwar ihre Verwunderung über den Unterschied zwischen jenemhülflosen, der Verzweiflung hingegcbenen Mädchen, welches sieeinst auf einem Strohlager im Kerker in Erwartung einesschmachvollen Todes gesehen, und die ihr auch späterhin nur als

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