„Ohne Zweifel, gnädige Frau, wird Frau Butler diesthun," sagte Knockdunder. „Frau Butler, dies ist Lady —Lady — die verdammten südlichen Namen wollen mir garnicht in den Kopf. Aber die gnädige Frau ist eine geborneSchottin, ich glaube aus dem Hause — "
„Der Herzog von Argyle kennt meine Familie sehr wohl,Herr," fiel die Fremde ein, mit einem Tone, der Duncan Still-schweigen gebieten sollte, und seine Absicht vollkommen erreichte-
Jeanie fühlte sich wie in einem jener lebhaften Träume,die uns durch ihre täuschende Aehnlichkeit mit dem Wirklichenquälen. Es war etwas von ihrer Schwester Esfie in dem Tonund Wesen der Fremden; und auch, als sie den Schleier hob,wurden Züge sichtbar, an welche sich manchfache Erinnerungenknüpften.
Die Fremde war wenigstens dreißig Jahr alt, doch bei ih-rer Schönheit und der Sorgfalt ihrer Kleidung konnte sie fürein und zwanzig gelten. Und ihr Betragen war so sicher undbestimmt, daß Jeanie, so oft sie eine neue Aehnlichkeit mit ih-rer unglücklichen Schwester entdeckte, ebenso oft durch die Si-cherheit und ruhige Selbstherrschaft der Fremden wieder vonihren Muthmaßungen zurückgeführt wurde. Schweigend undverwirrt führte sie sie den Weg zum Pfarrhause. Dort, hofftesie, werde der Brief sie dieser bangen Verlegenheit entziehen.
Jene blieb indeß bei der Manier einer Frau von Stande.Sie bewunderte die Gegend, wie Jemand, der mit den Schön-heiten der Natur und den Darstellungen der Kunst vertrautist. Endlich zogen auch die Kinder ihre Aufmerksamkeit auf sich.
„Zwei hübsche Knaben. — Die Ihrigen, Frau Pfarrerin,nicht wahr?"
Jeanie bejahte es. DieFremde seufzte, und seufzte zum zwei-tenmal, als ihr die Namen der Knaben genannt wurden.