127
„Frau Butler," begann jener mit tiefem, wichtig feierlichenTone, „ich habe die Ehre Ihnen hier Lady — Lady — ei, ichhabe Ihrer Gnaden Namen vergessen."
„Es thut nichts," sagte die Fremde, „Frau Butler wird wohldeshalb nicht in Ungewißheit sein. Des Herzogs Brief — sand-ten Sie ihr den Brief nicht gestern Abend, Herr?" setzte sie einwenig empfindlich hinzu, als sie Jeanie's Verlegenheit bemerkte.
„Nein, in Wahrheit nicht, ich bitte Ihre Gnaden um Verzei-hung. Allein ich hatte gerade keinBoot bei derHand, und dachte,es würde Zeit haben bis heute, weil Frau Butler doch immerzu Hause ist. Hier ist der Brief von Sr. Durchlaucht."
„Geben Sie ihn her," sagte die Fremde, „da Sie nicht fürgut gehalten haben, ihn gestern abzusenden, wie ich Sie dochdarum gebeten, so will ich ihn selber adgebcn."
Mit gespannter Aufmerksamkeit und einem ganz besondernGefühl der Theilnahme betrachtete Jeanie diese Frau, die sogebieterisch zu einem Gewalthaber wie Knockdunder sprach, undderen Befehlen er sich so willig fügte, denn er überreichte ihr denBrief mit den Worten: „Ganz wie es Ihre Gnaden beliebt."
Die Fremde war von etwas mehr als mittler Größe, undein wenig stark, aber von sehr schönem Gliederbau. Ihr We-sen war frei, edel und gebieterisch, und schien von einer hohenGeburt und stetem Umgang mit den vornehmen Ständen zuzeugen. Sie trug ein Reisekleid, einen Kastorhut und einenSchleier von brüßler Spitzen. Zwei Diener in reichen Livreenwaren mit in der Barke gekommen; sie blieben in einiger Ent-fernung hinter ihr, und trugen einen Reisekoffer und Mantelsack.
„Da Sie den Brief nicht erhalten, der mich bei Ihnen einfüh-ren sollte, Frau Pfarrerin — Sie sind doch Frau Butler, nichtwahr? —will ich ihn auch nicht eher abgeben, bis Sie die Gütegehabt haben, mich ohnedies in Ihr Haus aufzunehmen."