IIO
Woche sah ich Deinen edlen Freund, den H. von A. ImSchauspiel kam er an mich heran und setzte sich zu mir. Et-was in dem Stück erinnerte ihn an Dich, und — großer Gott!er erzählte unserer Gesellschaft Deine ganze Reise nach Lon-don, unv besonders der Unglücklichen, welche die Veranlassungdazu war. Wenn er geahnt hätte, neben wem er sitze, undwem er diese Geschichte erzähle! — Ich litt mit Muth, wieein Indianer auf der Folter, während sie seine Fibern zer-reißen und seine Augen durchbohren, und er jeder neuen Mar-ter seiner Peiniger Beifall lächelt. Doch es ward endlich zuviel für mich, Jeanie; ich fiel in Ohnmacht. Es wurde theilsder Hitze des Orts, theils der Reizbarkeit des Gefühls zuge-schrieben. Zum Glück war er nicht gegenwärtig. Dennochsind auch die Folgen dieses Ereignisses ängstigend. Ich habeseitdem Deinen vornehmen Freund oft gesehen, und er hatwieder jener Geschichte und der Menschen erwähnt, an denenich meine Theilnahme auf eine so liebenswürdig gefühl-volle Weise geäußert. Liebenswürdig gefühlvoll! O Gott!— Kaum ist Alles, was ich ehemals litt, meinem jetzigenZustande zu vergleichen. Damals waren es gewaltsameSchläge, jetzt werde ich mit spitzigen Nadeln zu Tode gepei-nigt. Er, der H. nämlich, geht im nächsten Monat nachSchottland, um dort die Jagdzeit zuzubringcn. Er bäte sichdann immer einmal im Pfarrhause zu Gaste, sagte er mir.—Sei auf Deiner Hut, und vcrrathe Dich nicht, wenn er mei-ner erwähnen sollte. Ach! Du selbst hast nichts zu verrathen,und nichts zu fürchten. Es ist E., deren Leben jetzt wiedervon Dir abhängt, cs ist E-, die Du davor bewahren kannst,ihrer geborgten Federn beraubt und unter die Füße getretenzu werden, von dem vielleicht zuerst, der sie auf diesen schwin-delnden Gipfel gehoben! — Das hier Beigefügte wirst Du