Druckschrift 
10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

97

wo späterhin auch Butler und dann Archibald sich zu ihnen gesellten.Es war bestimmt worden, daß Deans und Butler schon diese NachtBesitz von ihren neuen Wohnungen nehmen, Jeanie und die Dut-ton aber noch auf einige Tage nach Roseneath zurückkehrensollten. Das Boot lag deshalb in Bereitschaft, und sie wünsch-ten aufzubrechen, denn es fing bereits an zu dämmern, aberKnockdunder, auf den sie warteten, erschien noch immer nicht.Archibald berichtete, er habe sich ziemlich festgetrunken, undwerde wohl diese Nacht das Gasthaus nicht verlassen, oderwenn er es verließe, kein schicklicher Gesellschafter für Frauensein. Er schlug daher vor, die Ueberfahrt ohne ihn zu machen.Duncan werde sich aus Gefälligkeit für seine weiblichen Gästewohl mit dem kleineren Bcgleitungsboote begnügen.

Der Mond war schon über den Bergen aufgegangen, als siesich einschifften, und die Wellen glänzten in seinem bleichen zit-ternden Schein. Doch so sanft und ruhig war die Nacht, daßButler, als er seiner Jeanie am Ufer Lebewohl sagte, nichtsfür ihre Sicherheit zu besorgen fand; und was noch unge-wöhnlicher war, Jungfer Dutton nichts für ihre eigene fürch-tete. Die Luft war mild und wehte mit angenehmem Hauchüber die kühleu Fluthen. Berge und Felsen und Buchten, wiesie im reizenden Wechsel an ihnen vorüberzogen, und die großeblaue Gebirgskette im Hintergründe waren matt vom Mondebeleuchtet. Und bei jedem Ruderschlage entsprühten den Wellenglänzende Funken, welches ihnen unbekannte Schauspiel Jea-nie und die Dutton mit großem Vergnügen sahen.

Ihr Landungsplatz zu Roseneath war eine kleine Bucht, nichtsehr entfernt vom Hause. Da das große Boot den einzelnenSteinen, welche als Brücke dienten, nicht ganz nahen konnte,sprang Jeanie, rasch und beherzt wie sie war, mit Leichtigkeithinüber- Jungfer Dolly aber weigerte sich bestimmt, ein ähn-Kerker von Sdinburg. III. 7