Jeanie trat an's Bett, als die Singende schwieg, undrief sie beim Namen. Allein Magda schien sie nicht -u erken-nen. Als ob diese Unterbrechung sie gestört, veränderte sieihre Lage, und sagte mit dem Ton der Ungeduld, die Kran-kenwärterin solle sie mit dem Gesicht der Wand zukehren, da-mit sie nie wieder auf den Namen zu hören, und eine argeWelt wiederzusehn brauche. Die Wärterin willfahrte ihremVerlangen, und sie fing nun ihr leises Singen wieder an.Die Weise war verändert. Es klang wie ei» Kirchenlied:
Ist das Hochjeitkleid gewebt,
Gnade durch den Kampf erstrebt;
Läßt des Glaubens Ueberwinden,
Aste kalten Zweifel schwinden;
Fühlt die Liebe, hier gefangen,
Nach dem Höheren Verlangen: .
Auf denn, Christ, mit muth'ge», Sinn,
Wirf die Erdenhülle hin!"
Die Weise war feierlich und rührend; und Magda's na-türlich schöne Stimme hatte in ihrer gegenwärtigen Ermat-tung etwas ungemein Sanftes und Schmelzendes. Archibald,obgleich ein Hofmann und ein Zweifler von Beruf, fühlte sichbetroffen; Jungfer Dutton schluchzte; Jeanie's Thränen flös-sen unaufhaltsam. Selbst die Wärterin, gewohnt das Los-ringen der Seele vom Irdischen oft auf sehr verschiedeneWeise zu sehen, konnte nicht ungerührt bleiben.
Die Schwäche der Kranken nahm fetzt merklich zu. IhrAthem ward kurz und schwer. Die Stimme versagte ihr oftganz. Allein der Geist des Wohlklangs, der der Unglücklichenangeboren schien, siegte noch von Zeit zu Zeit über ihre Lei-den und ihre Erschöpfung. Sobald ihr nur ein Augenblickder Ruhe gegönnt war, fing sie wieder an zu singen; undimmer war etwas in ihren Liedern, das sich auf ihren ge-