„Wenn Du aber solch ein Geheimniß besäßest, würdest DuDir vermuthlich ein Gewissen daraus machen es weiter zu sagen."
„Ich würde Gott bitten mich durch sein Licht erkennen zulassen, welches der Weg der Pflicht sei," erwiederte Jeanie.
„Und den einschlagen, der am meisten mit Deinen Neigun-gen übereinstimmt," sagte die Königin.
„Gnädige Frau, ich würde bis ans Ende der Welt gegangensein, dem Porteous oder irgend einem andern Unglücklichen dasLeben zu retten; allein ich darf wohl mit Recht zweifeln, inwie-fern ich zu seiner Bluträcherin berufen bin. Er ist dahin, und dieihn getödtet, müssen ihreigcnes Thun verantworten. Aber meineSchwester, — meine arme Schwester Effie lebt noch, obgleichihre Tage und Stunden gezählt sind! — Sie lebt noch, und einWort aus dem Munde des Königs könnte sie einem alten jam-mervollen Mann wieder geben, der nie in seinem Morgen- undAbendgebet unterlassen, Segen auf den Thron Seiner Majestätherabzuffehen. O gnädige Frau, wenn Sie jemals wußten, wases heißt, sich um ein armes sündhaftes Geschöpf zu grämen, de-ren Gemüth so erschüttert ist, daß sie weder zu leben noch zusterben weiß, erbarmen Sie sich unsers Elends! Beschützen Sieein redliches Haus vor Schmach, und ein unglückliches kaum acht-zehnjähriges Mädchen vor einem frühzeitigen furchtbaren Tode.Ach, nicht wenn wir selbst süß schlafen und fröhlich wachen, findwir der Leiden Anderer eingedenk. Unsre Herzen sind dann leichtin uns; für das Unrecht, welches uns selbst geschieht, wollen wiruns Recht verschaffen, und gegen unsre eigenen Beleidiger wol-len wir kämpfen. Wenn aber die Stunde der Trübsal für dieSeele oder den Leib kommt, — und selten möge sie Euer Gnadenheimsuchen, — und wenn die Stunde des Todes kommt, die denHohen so wenig verschont als den Niedern, —und spät nur mögesie Ihnen erscheinen, — o gnädige Frau, dann ist es nicht, was