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Unschuld sagen, ist vielleicht ein sehr guter Grund das Gesetzaufzuheben, doch kann es nicht zum Vortheil der bereits Ver-urtheilten sprechen, so lange jenes besteht."
Der Herzog sah und vermied die Gefahr. Er durste nichtdurch ein ferneres Erörtern die Königin so beharrlich in ihrerBehauptung werden lassen, bis sie zuletzt sich genöthigt sähedie Verurtheilte aufzugeben, damit sie selbst nicht schwankenderschiene. „Wenn Ihre Majestät," sagte er, „die Gnade ha-ben wollten, meine arme Landsmännin selbst zu hören, fändesie vielleicht einen Fürsprecher in ihrem Herzen, der besser alsich die Zweifel ihres Verstandes zu bestreiten vermag."
Die Königin schien einzuwilligen, und derHerzog gabJeanieein Zeichen die Stelle zu verlassen, wo sie bis jetzt ängstlichdastand, und auf Gesichtern zu lesen suchte, die allzu sehr ge-wohnt waren, jedes Zeichen innerer Bewegung zu unterdrücken,um ihr etwas Wesentliches mitzutheilen. Die Herrscherin be-lächelte die ehrfurchtsvolle Scheu, mit welcher die still ruhigeGestalt des kleinen Schottenmädchens sich näherte, und mehr nochden ersten Laut ihrer nordischen Mundart. Allein Zeanie hatteeine sanfte, süßtönende Stimme und bat so schmelzend, „die gnä-dige Frau wolle Mitleid mit einem armen verleiteten Kinde ha-ben," daß das Fremde, Volksthümliche, welches derKöniginAn-fangs drollig klang, ihr bald als rührender Ernst erschien.
„Steh auf," sprach sie nicht ungütig, „und sage mir, wasfür ein rohes Volk das Deine ist, bei dem der Kindermordso häufig geworden den Zügel solcher Gesetze zu erfordern?"
„Mit Euer Gnaden Erlaubniß," crwiederte Jeanie, „esgibt auch Länder außer Schottland, wo Mütter hart gegenihr eignes Fleisch und Blut sind."
Die Zwistigkeiten zwischen Georg dem Zweiten und seinemSohn, dem Prinz von Wales, waren damals aufs Höchste gestie-