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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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Die schlaue Caroline hatte zu bewirken gewußt, daß eine ih-rer vornehmsten Hoffrauen, Ladp Suffolk, das dem Anschein nachWidersprechende in sich vereinigte, zugleich die Geliebte des Kö-nigs, und seiner Gemahlin demüthige Vertraute zu sein. Hiedurchsicherte die Königin ihre Macht gegen eine ehrgeizige Nebenbuh-lerin; und wenn sie sich der Kränkung unterwarf, in ihres Gat-ten Untreue zu willigen, so hatte sie dafür die Freiheit,ihrerguten Howard" dann und wann einige höfliche Beleidigungen zu-fließen zu lassen, obgleich sie im Allgemeinen ihr mit vielem Anstandbegegnete. Lady Suffolk hatte dem Herzog von Argyle große Ver-pflichtungen, und durch sie war bei Gelegenheit Manches zwischenihm und der Königin verhandelt worden. Doch hatten die Mißhel-ligkeiten wegen des Aufstands zu Edinburg diese Verbindung ziem-lich unterbrochen, wenn auch nicht gänzlich aufgelöst. Zu beffermVerständniß des Folgenden war es nöthig dies vorauszusenden.

Aus dem schmalen Baumgang, durch den sie gekommen waren,wandte der Herzog sich zu einem andern ähnlicher Art, breiter undlänger jedoch. Hier erblickte Jeanie einige Gestalten in der Ferne.

Sie näherten sich; es waren zwei Frauen. Eine ging ein we-nig hinter der andern, doch blieb sie nahe genug, um Alles, wasjene sagte, hören und daraus antworten zu können. Indem sielangsam herankamen, hatte Jeanie Zeit, sie genau zu betrachten.Der Herzog verzögerte gleichfalls seine Schritte, als wolle er ihrZeit lassen, sich zu sammeln, und er bat sie wiederholt, nicht ängst-lich zu sein. Die von den Frauen, welche die Vornehmere schien,hatte angenehme Züge, obgleich sie von den Pocken gelitten, glän-zende Augen und schöne Zähne. Eher stark als schlank, war dochihre Gestalt nicht ohne Anmuth; und das Feste und Bestimmteihres EinherschreitenS ließ nicht vermuthen, daß sie oft an einemjeder Fußbewegung hinderlichen Uebel litt. Ihre Kleidungwar reich aber nicht prunkend, ihr Wesen edel und gebietend.

Kerker vv» Edinburg. III. Z