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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
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Ein junges Mädchen von nicht hohem Wüchse, mit einemGesicht, das nicht schön zwar, und von der Sonne gebräunt,doch etwas sehr Angenehmes und Bescheidenes hatte, wardin das glänzende Zimmer des Herzogs geführt. Sie trug dasgroße Manteltuch ihres Landes, so daß es ihr zum Theil denKopf bedeckte, zum Theil über ihre Schultern zurückfiel. EineFülle von schönem Haar, einfach und anmuthig geordnet, zierteihr rundes wohlwollendes Gesicht, dem das Bedeutende ihresAnliegens, und ihr Gefühl der Standeshoheit des Herzogsden Ausdruck tiefer Ehrfurcht, fern jedoch von niedriger Un-terwürfigkeit oder blöder Scheu gaben. Sie war übrigensganz nach der Weise der schottischen Mädchen ihres Standesgekleidet; doch mit jener sorgfältigen Beachtung des Anstandesund der Reinheit des Gemüths vereinigt, als deren natürlichesSinnbild sie erscheint.

Jeanie blieb am Eingang des Zimmers stehen, machte einesehr tiefe Verbeugung, und schloß ihre Hände über der Brustzusammen, ohne eine Splbe zu sprechen. Der Herzog tratihr näher, und wenn sein edler seiner Anstand, seine reiche mitOrden gezierte Kleidung, das Kluge und scharfe seines Blicksihre Bewunderung erregte, so ward er nicht minder von dereinfachen bescheidenen Ruhe dieses dcmülhigcn Landmädchensgetroffen.

»Willst Du mich sprechen, mein gutes Kind?" fragte derHerzog;oder wünschest Du die Herzogin zu sehen?"

»Mein Geschäft ist mit Eurer Gnaden, Mplord, ichmeine Eurer Durchlaucht."

Und worin besteht es?" fragte er in demselben mildenTon als zuvor.

Jeanie sah nach dem anwesenden Kammerdiener.

»Verlaß uns, Archibald, und warte im Vorzimmer."